Chinesisches FDI in Nordamerika und Europa fällt in 2018 um 73% auf Sechsjahrestief mit USD 30 Milliarden

By on Januar 15, 2019
  • Rückgang getrieben durch innenpolitische Veränderungen in China und neue Vorschriften für Investment Screening
  • Gesamtinvestitionen in Europa gingen zurück, stiegen jedoch in Frankreich, Deutschland, Luxemburg, Spanien, Schweden sowie Mittel- und Osteuropa
  • Chinesische Investitionen in den USA um 83% gesunken, in Kanada hingegen um 80% im Vergleich zu 2017 gestiegen
  • Automobil-, Finanzdienstleistungs- sowie Informations- und Kommunikationstechnik sind wichtigste Branchen für chinesische Investitionen in Europa, diese in den USA jedoch am stärksten von regulatorischer Verschärfung betroffen. In Nordamerika konzentrierten sich Investitionen auf Rohstoffe und Gesundheit
  • Regeln für Investment Screening treffen empfindlich: Mindestens 21 chinesische Übernahmen wurden 2018 von ausländischen Aufsichtsbehörden annulliert (7 in Europa, 14 in Nordamerika)
  • Rekordverkäufe von USD 23 Milliarden durch chinesische Unternehmen in beiden Regionen führen zu negativem Nettozufluss chinesischer Direktinvestitionen nach Nordamerika von USD 5,5 Milliarden

Die chinesischen ausländischen Direktinvestitionen (FDI) in Europa und Nordamerika gingen 2018 stark zurück. Sie sanken von USD 94 Milliarden im Jahr 2016 und USD 111 Milliarden im Jahr 2017 auf USD 30 Milliarden im Jahr 2018. Das ergab die neueste Analyse von Baker McKenzie in Zusammenarbeit mit der Rhodium Group. Die Rhodium Group ist darauf spezialisiert, Anlagemuster chinesischer Investoren in den einkommensstarken Wirtschaftssystemen Europas und der USA zu analysieren.

Nachdem die chinesischen FDI in Nordamerika von einem Höchststand von USD 48 Milliarden im Jahr 2016 auf USD 31 Milliarden im Jahr 2017 gesunken waren, brachen sie 2018 erneut ein und erreichten nur noch USD 8 Milliarden (minus 75%). Den größten Anteil daran hatten die USA, die von einem Höchststand von USD 45,63 Milliarden im Jahr 2016 und USD 29 Milliarden im Jahr 2017 auf nur noch USD 5 Milliarden im Jahr 2018 fielen (minus 83%).

Dies war die Folge anhaltender Beschränkungen der Auslandsgeschäfte in China, strengerer Überprüfungen der US-Auslandsinvestitionen und einer angespannten bilateralen Beziehung zwischen den beiden Ländern. Im Gegensatz dazu verzeichnete Kanada in diesem Jahr einen Anstieg der chinesischen Investitionen von USD 1,5 Milliarden im Jahr 2017 auf USD 2,7 Milliarden im Jahr 2018 (plus 80%) aufgrund mehrerer großer Akquisitionen im Bergbau. Bereinigt um Veräußerungen erhielt Kanada 2018 mehr chinesische Investitionen als die USA.

Chinesische Investitionen in Europa zeigen sich widerstandsfähig

Auch die chinesischen FDI in Europa gingen 2018 zurück, hielten sich aber insgesamt besser als in den USA. Der Gesamtwert der abgeschlossenen Transaktionen belief sich 2018 auf USD 22,5 Milliarden, 70% weniger als im Jahr 2017 (USD 80 Milliarden). Der Großteil der Investitionen im Jahr 2017 entfiel auf die Übernahme von Syngenta durch ChemChina für USD 43 Milliarden. Bei Ausklammerung dieses Deals zeigt 2018 einen Rückgang der chinesischen Investitionen in Europa um 40%. Große Volkswirtschaften wie Frankreich, Deutschland, Spanien und Schweden verzeichneten 2018 einen Anstieg der Investitionen.

Chinesische Investoren tätigten Übernahmen im Wert von USD 1,83 Milliarden in Frankreich (plus 86% gegenüber 2017), USD 2,52 Milliarden in Deutschland (plus 34%), USD 1,17 Milliarden in Spanien (plus 162%) und USD 4,05 Milliarden in Schweden (plus 186%). Die Investitionen in Luxemburg stiegen von unter USD 100 Millionen im Jahr 2017 auf USD 1,87 Milliarden, während sie in Dänemark von USD 200 Millionen auf USD 1,1 Milliarden stiegen.

„Aus den Zahlen geht deutlich hervor, dass der zugrunde liegende Trend der chinesischen Investitionen in Europa aus ökonomischen Gründen stabil ist“, kommentiert Thomas Gilles, Leiter der EMEA-China-Gruppe von Baker McKenzie. „Wir sehen, was wir von den derzeit hauptsächlich privaten chinesischen Investoren erwarten – dass sie nachhaltig in eine gesunde Vielfalt von Branchen in Europa investieren. Die chinesische Wirtschaft wächst weiter und es ist völlig normal, dass chinesische Unternehmen langfristig weiter internationalisieren.“

Branchen entwickeln sich auseinander

Die Branchenzusammensetzung der chinesischen Investitionen in Europa und Nordamerika hat sich als Reaktion auf neue politische und regulatorische Gegebenheiten weiter verschoben.

Im Jahr 2018 hielt das Fehlen von Mega-Deals die Branchenzusammensetzung in Europa vielfältig. Keine einzige Branche machte mehr als 20% der gesamten chinesischen Investitionen aus. Die wichtigsten Branchen waren Automobil, Finanz- und Unternehmensdienstleistungen sowie Informations- und Kommunikationstechnik. Insbesondere die Investitionen in den Bereichen Finanzdienstleistungen und Informations- und Kommunikationstechnik zeigen die Unterschiede zwischen nordamerikanischen und europäischen Mustern: Diese beiden Branchen sind in den USA aufgrund der Verschärfung der Vorschriften stark betroffen, bleiben aber auch 2018 die wichtigsten Branchen für chinesische Investitionen in Europa.

Im Gegensatz dazu konzentrierte sich der Branchenmix der chinesischen Investitionen in Nordamerika auf einige wenige große Sektoren. Mehrere große Akquisitionen im Bergbau in Kanada machten Rohstoffe 2018 zum wichtigsten Sektor für chinesische FDI in Nordamerika. In den USA verschwanden die Investitionen in Sektoren wie Immobilien und Verkehr und Infrastruktur, die 2016-2017 die Investitionen dominierten, aufgrund der politischen Restriktionen Chinas und der USA weitgehend. Gesundheitswesen und Biotechnologie bildeten stattdessen die führende Branche in den USA.

Investitionsscreening

Im Jahr 2018 gab es mindestens sieben annullierte Transaktionen in Europa im Wert von USD 1,5 Milliarden (die gleiche Anzahl wie 2017; mit einem Plus von 200% im Wert) und 14 annullierte Transaktionen in Nordamerika im Wert von USD 4 Milliarden (plus 17% im Volumen, minus 65% im Wert).

Im ersten Halbjahr 2018 kam es in Nordamerika zu einem Anstieg der regulatorischen Eingriffe, der hauptsächlich auf politische Anpassungen in den USA zurückzuführen war. Dieser verlangsamte sich in der zweiten Jahreshälfte, da sich chinesische Unternehmen zunehmend von potenziell problematischen Geschäften fernhielten.

„Man könnte eine Überkorrektur auf dem Markt vermuten, die möglicherweise durch eine Verwechslung des Handelskonflikts mit der Investitionspolitik verursacht wurde. Die US-Investitionsregulierung konzentriert sich weiterhin ausschließlich auf die nationale Sicherheit und CFIUS genehmigte weiterhin chinesische Investitionen, auch im Technologiebereich“, so Rod Hunter, Partner im Bereich Außenwirtschaftsrecht, Baker McKenzie, Washington DC.

In der zweiten Jahreshälfte stieg die Zahl der annullierten Transaktionen in Europa, da mehrere europäische Regierungen die regulatorische Kontrolle und die finanziellen Bedingungen in China weiter verschärften.

Frankreich, Deutschland, Ungarn, Italien, Lettland, Litauen, die USA und das Vereinigte Königreich haben ihre Investitionsscreening-Regelungen verstärkt oder sind dabei, sie zu verstärken, während Belgien, die Niederlande, die Tschechische Republik, Griechenland, die Slowakei und Schweden eine Einrichtung oder Stärkung von Investitionsüberprüfungsmechanismen in Betracht ziehen. Die EU ist auch dabei, eine allgemeine Investitionsscreening-Verordnung einzuführen.

(Quelle: Baker McKenzie)


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