Corporate Venturing Report 2019: Corporate VCs mischen das Investorenfeld in der Start-up-Szene auf

Immer häufiger gründen etablierte Unternehmen eigene Investment-Vehikel für die Förderung von Start-ups als Teil ihrer Innovationsstrategie. Was sie sich davon versprechen und welche Auswirkungen die neuen Player in der Start-up-Szene haben, hat der Corporate Venturing Report von Wayra Deutschland untersucht.

Corporate-Venture-Capital-Investoren werden in der Investorenszene rund um die Finanzierung und Förderung von Start-ups immer aktiver – das ist eines der Kernergebnisse des von Wayra Deutschland veröffentlichten Corporate Venturing Reports 2019. So steigen die Investments in externe Start-ups laut Report seit dem Jahr 2010 insgesamt wieder stark an, während insbesondere der Teil der Corporate-Investoren deutlich zugenommen hat.

Gleichzeitig wird deutlich, dass Unternehmen im Rahmen ihrer Innovationsstrategien immer häufiger auf eigene Vehikel setzen, mit denen sie externe Start-ups fördern. Während die Zahl der neu gegründeten Corporate VCs im Jahr 2013 noch bei 64 lag, waren es 2018 rund 264 neue Start-up-Hubs, die von etablierten Unternehmen ins Leben gerufen wurden.

Der Corporate Venturing Report analysiert Investments in Start-ups weltweit und untersucht das Verhalten der Investoren. Der Anteil der Corporate VCs liegt dabei bei rund sechs Prozent der am Markt aktiven Investoren. Klassische Acceleratoren und Inkubatoren machen knapp 20 Prozent und private VCs rund 60 Prozent aus.

Corporate VCs: Jung und aktiv
So bilden Corporate VCs zwar noch immer nur einen vermeintlich kleinen Teil, allerdings sind sie am Markt umso aktiver: Laut Report war Corporate-Venture-Kapital bei 23 Prozent aller Investment-Deals in externe Start-up involviert – der höchste Wert jemals. Gleichzeitig wurden 65 Prozent der besonders aktiven Corporate VCs – also alle, die innerhalb der letzten fünf Jahre mehr als 20 Investments gemacht haben – erst nach 2011 gegründet. Das zeigt, dass Corporate Venturing ein relativ junges Phänomen ist, das an Fahrt aufnimmt.

“Innovation ist nicht erst seit gestern eine der Top-Prioritäten der Unternehmen. Die Art und Weise, Innovation im Unternehmen zu fördern nimmt aber einen immer stärkeren Kurs in Richtung jener Modelle, die wirklich auf Wachstum und Erfolg des eigenen Geschäfts einzahlen. Investitionen in Startup-Technologien müssen heute auf jeder Agenda für die digitale Transformation stehen”, so Katrin Bacic, Head of Venture Development bei Wayra Deutschland. “Dabei geht es nicht darum, an möglichen Exits zu verdienen oder um die Hoffnung, festgefahrene Strukturen agiler zu machen. Sondern darum, Start-ups als wertvolle Quelle für Innovation zu nutzen.”

Der Report zeigt, dass Exits von Corporate VCs eher selten sind: Von den stark aktiven Corporate VCs haben gerade einmal 18 Prozent mehr als 60 Exits durchgeführt. 57 Prozent hingegen haben zwischen Null und 20 Exits während ihrer gesamten Laufzeit gemacht.

Hohe Erwartungen der Start-ups werden oft nicht erfüllt
Der Fokus auf die inhaltliche Förderung sollte den Start-ups zugute kommen. Allerdings wird im Report auch sichtbar, dass die Erwartungen der Start-ups an Corporate Investoren noch höher sind als die tatsächlich realisierten Ergebnisse. Im Rahmen des Global Start-up Fundraising Survey wurden dafür Start-ups aus High-Tech-Industrien in verschiedenen Altersklassen und Entwicklungsstufen untersucht.

Ersichtlich wird, dass den Start-ups insbesondere folgende Aspekte wichtig sind, wenn sie sich von Corporate VCs fördern lassen: Zum einen sollen Unternehmen zu den ersten Kunden der Start-ups werden, zum anderen erhoffen sich die Gründerinnen und Gründer Unterstützung in Marketing und Vertrieb, der Strategie, in Forschung und Entwicklung und im Bereich HR. In allen Feldern gaben die befragten Start-ups an, dass Potenziale zu wenig oder sogar stark zu wenig genutzt wurden.

“Da die Welten von Corporates und Start-ups sehr unterschiedlich sind und kaum jemand einen Überblick darüber hat, was auf der einen Seite benötigt und was auf der anderen Seite geboten wird, werden die Ziele der Zusammenarbeit oft nicht erreicht. Nur sehr wenige der Unternehmensprogramme sind wirklich erfolgreich”, so Bacic. “Um zufriedenstellende Resultate zu erzielen, die tatsächliche Auswirkungen auf den Business-Erfolg haben, ist ein neues Modell erforderlich. Unternehmen werden auch weiterhin stark in Start-ups investieren, den echten Mehrwert erhalten sie jedoch durch die Orchestrierung der unterschiedlichen Ansätze. Eine solche Orchestrierung im Rahmen von Venture-Client-Modellen, die darauf abzielen, Unternehmen zu Kunden der Start-ups zu machen, ist der erste Schritt in die richtige Richtung.”

Der gesamte Corporate Venturing Report 2019 kann unter folgendem Link eingesehen werden: https://assets.website-files.com/5b9b6f1d4caae338a50118cb/5da88be6fdbcf65abd3efba2_Corporate%20Venturing%20Report%202019.pdf