COVID-19 Agenda vieler PEs und deren Portfolio-Unternehmen

Das Team von interim-x.com hat in den letzten Tagen ein Stimmungsbild bei einer Reihe von PE-Gesellschaften und Banken eingeholt.

Die einhellige Meinung: Die derzeitige Situation birgt, auch im Vergleich zum Platzen des Neuen Marktes sowie der Finanzkrise 2008/2009, ein mindestens so hohes Risikopotenzial in sich. Dies auch vor dem Hintergrund ambitionierter Planungen der Portfolio-Unternehmen, die hohe Multiples in der jüngsten Vergangenheit legitimierten, nun aber häufig Makulatur sind. Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse, die Nassim Nicholas Taleb in seinem Buch „Der Schwarze Schwan“ skizziert, ist für viele Portfolio-Unternehmen und Investoren nackte Realität geworden.

Umso mehr, und dies haben die Gespräche mit unseren Mandanten aus dem PE- und Bankenumfeld gezeigt, gilt es nun, eine Vielzahl von Handlungssträngen ad hoc und parallel umzusetzen.

Die Top-Prioritäten lassen sich wie folgt zusammenfassen.

Ad hoc-Analyse der finanzwirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und deren Aufrechterhaltung 

Hierzu gehört u.a.

  • eine akribische Liquiditätsplanung aufzusetzen / zu verfeinern
  • die bisherigen Finanzierungsinstrumente neu auszurichten
  • proaktiv auf Finanzierer zu zugehen
  • die „Financial Covenants“ ggf. wöchentlich zu prüfen sowie die Fähigkeit, bei einem Bruch der Covenants, den Dialog mit Kapitalgebern fakten- und maßnahmenorientiert auf Augenhöhe zu führen.

Und hierbei gilt natürlich, dass jeder Cent Liquidität ein Opfer auf dem Altar der Rentabilität sein wird, wie die nächsten Monats- und Quartalsabschlüsse zeigen werden. Woraus sicher in einer 2. Welle der nächste Themenblock ableitet.

Leistungswirtschaftliche Anpassung / Restrukturierung

Hierzu gehört u.a.

  • einen sehr hohen Fokus auf das Thema Forderungsmanagement, Auftragsbestände sowie die ganzheitliche Optimierung des Working Capital zu legen.
  • personalwirtschaftliche Anpassungen (virtuelles Arbeiten, Initiieren von Kurzarbeit, Anpassungen von Tantiemeregelungen, ggf. auch ex post, etc.) vorzunehmen sowie Sicherstellen, dass Vakanzen auf Führungsebene bzw. durch internationale Reiseverbote ggf. durch lokale Interim Manager überbrückt werden. Dies gilt insbesondere für deutsche Operations Manager, die in Mittel- und Osteuropa Produktionsstätten deutscher Unternehmen leiten und nun nicht mehr einreisen können.
  • die Anpassung des Produkt- und Kundenportfolio in wenigen Tagen: Beispiele sind Mode- und Textilhersteller wie MAC Mode, Trigema oder Eterna, die aus der Not eine Tugend machen und nahezu über Nacht von Mode zu Mundschutz diversifizieren. Auch VW und andere Automobilhersteller prüfen kurzfristig Komponenten für Beatmungsgeräte per 3-D Druck zu produzieren. Deutschen Spirituosenhersteller wie Jägermeister-Mast oder Rotkäppchen-Mumm stellen um auf die Herstellung von Desinfektionsmittel. Sicherlich können nicht alle Unternehmen auf eine „COVID-19 Wirtschaft“ umstellen, aber definitiv werden sie ihren Produkt- und Kundenmix überdenken und ggf. kurzfristig anpassen müssen.    
  • die kurzfristige Anpassung des Vertriebs, weg von der physischen Präsenz durch Key Account Manager hin zu dem kurzfristigen Aufbau bzw. der Optimierung eines virtuellen Account-Management (Instrumente, Strukturen, Methoden, Vorgehensweise, der Situation angepasste Themenstellungen – der Pitch –, etc.) insbesondere im B2B-Bereich.

All unsere Gesprächspartner stimmten mit uns überein, dass

  • ein nicht unbedeutender Teil jetzt agierender Führungskräfte in einem Umfeld positiven Wachstums sozialisiert ist, und verständlicherweise wenig bis keine Führungs-erfahrungen in einem Umfeld wie diesem hat, in dem nahezu ad hoc scharfe, unpopuläre Einschnitte notwendig sind und unternehmerische Disruption exekutiert werden muss 
  • bei der Bewältigung der oben skizzierten Themen externe Unterstützung in Gestalt von Interim Managern / operativen Beratern erforderlich sein werden; auch – intelligent organisiert – remote  
  • plattformgestützte Geschäftsmodelle gestärkt aus der Krise hervorgehen werden und sich auch das Nachfrage- und Kaufverhalten bisher nicht internet-affinier Individuen ändern wird  

Bei Fragen und weiteren Informationen, wenden Sie sich an Martin Franssen, Gründer und Sprecher der Interim Excellence GmbH; E-Mail: martin.franssen (at) interim-x.com ; Mobile: 01749103144.

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