Der österreichische Private Equity- und Venture Capital-Markt 2013 / Auswertung Umfrage

By on Mai 15, 2014
  • Der österreichische Private Equity- und Venture Capital-Markt 2013 – die erhoffte Stabilisierung des Fundraisings ist leider nicht eingetreten
  • Auflösung der Umfrage zur Einschätzung der Entwicklung der Eigenkapitalversorgung im Jahr 2013

Die AVCO, die Dachorganisation der österreichischen Beteiligungskapitalindustrie und Ansprechpartner für alle Fragen zu Private Equity und Venture Capital in Österreich, veröffentlicht die aktuellen Zahlen zum österreichischen Private Equity-Markt.

Privates Wachstumskapital aus Österreich investiert 2013 mit 88 Mio. Euro in 121 KMU und geht damit gegenüber dem Vorjahr um 43,2% zurück. Growth- und Venture-Investments steigen dabei erfreulicherweise, sowohl im Anteil als auch im Volumen gegenüber dem Vorjahr. Das Fundraising sinkt allerdings signifikant um 88,5% und gefährdet den Nachschub an frischem Kapital für Neuinvestments.
Die österreichische private Wachstumskapital-Industrie verzeichnet 2013 den stärksten Rückgang seit ihrem Bestehen. Sowohl die Investments, als auch das Fundraising weisen dramatische Einbrüche auf.
Die nationalen Rahmenbedingungen machen es immer schwieriger Nachschub für das von österreichischen KMU dringend benötigte Wachstumskapital sicher zu stellen. Dieser Trend verstärkt sich, je näher man hin zur Frühphase blickt. Ungebrochen ist hingegen die Nachfrage von KMU-Seite. Das Investmentvolumen von ausländischen Kapitalgebern in österreichische KMU bestätigt mit einem Zuwachs von über 146% eindrucksvoll, dass in Österreich spannende Projekte entwickelt werden, die privates Wachstumskapital benötigen.
Einerseits zeigen nationale, institutionelle Investoren im Moment sehr starke Zurückhaltung bei Kommittments für Wachstumskapitalfonds und andererseits können die im internationalen Vergleich kleinen heimischen Fonds leider auch keine internationalen Investoren ansprechen. Dies, weil die Fonds für internationales Fundraising im Rahmen des „Alternative Investmentfonds Manager-Gesetzes“ (AIFM-G) einen EU-Fundraising-Pass benötigen, auf den ohne eine sehr kostenintensive – und damit für kleine Fonds nicht darstellbare – Konzessionierung durch die FMA kein Anspruch besteht. Auch nationale private Investoren dürfen durch das im Juli 2014 in Kraft tretende AIFM-G nicht angesprochen werden. Dem österreichischen Wachstumskapital geht somit der Nachschub aus, nicht irgendwann, sondern jetzt gerade! „Umso erfreulicher ist die Tatsache, dass zumindest eine Novellierung des AIFM-G bezüglich des Vertriebs an Privatanleger im Regierungsprogramm für diese Legislaturperiode vorgesehen ist, womit es in Zukunft wenigstens möglich wäre, österreichische Privatanleger für Investments in österreichisches Wachstumskapital zu gewinnen.“, meint Jürgen Marchart, Geschäftsführer der AVCO. Vor kurzem endete die Begutachtungsfrist für eine derartige Novelle und es bleibt zu hoffen, dass eine betreffende Korrektur vor Ende der Übergangsfrist im Juli 2014 zustande kommt, zumal erst kürzlich bekanntgegeben wurde, dass die Stelle des Kapitalmarktbeauftragten Wolfgang Nolz mit Ende April 2014 ersatzlos gestrichen wird. „Wolfgang Nolz sei bei dieser Gelegenheit für seinen unermüdlichen Einsatz für den österreichischen Kapitalmarkt Dank und Anerkennung ausgesprochen. Insbesondere der vorbörsliche, private Wachstumskapitalmarkt benötigt zurzeit dringend Maßnahmen der Politik und es bleibt die Hoffnung, dass dies trotz der Streichung dieser Funktion sichergestellt wird.“, meint Jürgen Marchart.

Die Kennzahlen im Detail:

Investments
Im Jahr 2013 wurden von österreichischen Private Equity- und Venture Capital-Fonds insgesamt 88 Mio. Euro an privatem Wachstumskapital in 121 kleine und mittlere Unternehmen im In- (67,5 Mio. Euro) und Ausland (20,5 Mio. Euro) investiert. Das Gesamtinvestitionsvolumen der österreichischen Beteiligungskapitalgeber liegt damit um 43,2% unter dem Vorjahreswert. Zur gleichen Zeit steigen die Investments ausländischer privater Wachstumskapitalgeber in österreichische KMU um 146% auf 472 Mio. Euro und belegen damit eindrucksvoll, dass sehr wohl attraktive heimische Investmentmöglichkeiten existieren, die nach Finanzierungsmöglichkeiten suchen. Umso dringender ist es, den Nachschub an frischem Wachstumskapital sicher zu stellen.
Das von österreichischen Fonds investierte Wachstumskapital beträgt 0,028% des BIP, wobei sich Österreich damit trotz des starken absoluten Rückgangs im europäischen Ranking der Investmentaktivität im Vergleich zu 2012 um zwei Plätze und somit auf Position 18 verbessert. Auch wenn damit im internationalen Vergleich (EU-Durchschnitt: 0,267% des BIP) nach wie vor großes Aufholpotential besteht, ist österreichisches privates Wachstumskapital nach wie vor ein verlässlicher Partner für KMU. Das Growth-Segment macht nun mit 30,4% der gesamthaft investierten Summe das stärkste Segment aus. Erfreulicherweise ist das Volumen der Frühphaseninvestments (Seed, Start-up und Later Stage Venture) im Vergleich zum Vorjahr gestiegen und übertrifft zusammen (Total Venture) sogar das Growth Segment mit 31,6% der Investments knapp. Die Branche „Life Sciences“ führt das Branchen-Ranking der Investments an, gefolgt von „Communications“ und „Business & Industrial Products“.

Fundraising
Beteiligungskapitalgeber mit Sitz in Österreich haben 2013 knapp 19,8 Mio. Euro an frischem Kapital für zukünftige Investments in vielversprechende Wachstumsmärkte in Österreich, CEE und der DACH-Region einwerben können. Damit ist ein Rückgang des Fundraisings von mehr als 88,5% gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Der europäische Trend, der eine Erholung bei den Fundraisings ausweist, kann ich Österreich leider nicht beobachtet werden. Damit führen die schwierigen nationalen und internationalen Rahmenbedingungen nun nach nunmehr dreijährigem konstantem Rückgang der Neukommittments zu einem „all-time-low“ beim Nachschub von frischem Wachstumskapital für heimische KMU.

Exits
Mit rund 196 Mio. Euro (at cost) hat sich das Deinvestitionsvolumen im gleichen Zeitraum mehr als verdoppelt. Wobei der Anteil der Write-offs mit 3,8% erfreulicherweise so niedrig wie seit Jahren nicht mehr, ist.

Auswertung der Umfrage: „Wird sich die Eigenkapitalversorgung der österreichischen Wirtschaft im Jahr 2013 verbessern?“
Zusammen mit Prediki (www.prediki.de), einer offenen Prognoseplattform, hat die AVCO im Jahresverlauf kontinuierlich die öffentliche Einschätzung der weiteren Entwicklung der Eigenkapitalversorgung der österreichischen Wirtschaft erhoben. Dabei wurde als Konsens eine erwartete Stabilisierung des langjährigen Abwärtstrends erhoben, wobei diese Erwartung aber gemäß den nun vorliegenden Zahlen nicht erfüllt wurde. Dies dokumentiert auch mangelndes öffentliches und politisches Bewusstsein für die zunehmend schlechten Rahmenbedingungen für Eigenkapitalfinanzierungen und damit für die Krisensicherheit österreichischer Unternehmen.
Für 2014 planen die AVCO und Prediki gemeinsam eine neuerliche Erhebung zur Frage, ob das derzeit in aller Munde befindliche „Crowdfunding-Thema“ in Österreich wachsen und für den Eigenkapitalmarkt signifikant werden kann. Für die Teilnehmer an der Befragung wird wie im Vorjahr ein Incentive von 500,- Euro ausgelobt.

Über die AVCO – Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation bildet zusammen mit ihren 63 Mitgliedern die Dachorganisation der österreichischen Beteiligungskapitalindustrie und Corporate Finance Dienstleister und ist kompetenter Ansprechpartner für alle Fragen zu Private Equity und Venture Capital.

www.avco.at


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