Deutsche provozieren. Amerikaner langweilen.

By on November 15, 2018

By John Otto Magee

Deutsche Logik

Wenn Deutsche diskutieren – abseits des Geschäfts – suchen sie sich meist Themen, die man lebhaft diskutieren kann. Deutsche sind intelligent und gut informiert. Sie genießen den intellektuellen Austausch. Deshalb wählen sie sich absichtlich kontroverse Themen. Zudem sind Deutsche sehr kritisch. Sie suchen nach Schwachpunkten, nach Dingen, die nicht funktionieren, die aus ihrer Sicht suboptimal laufen oder schlicht falsch sind. Die Diskussion dreht sich meist um kritische Ansichten der Deutschen über Menschen und Dinge.

Amerikanische Logik

Amerikaner ziehen es vor, nicht-kontroverse Themen zu diskutieren. Kontroverse werden selten diskutiert. Und obwohl die Ära der Cocktail-Partys lange zu Ende ist, kennen sie immer noch die Antwort auf die Frage: „Welche drei Themen sollten bei keiner Cocktailparty aufgebracht werden?“ – Antwort: sex, religion und politics. Nach amerikanischer Logik sollten alle Themen vermieden werden, die die persönliche und geschäftliche Beziehung beschädigen könnten. Amerikaner suchen nach Gemeinsamkeiten und Sachen, die sie verbinden, nicht trennen.

Deutsche Wahrnehmung

Die amerikanische Absicht, nur sichere Themen zu diskutieren, wird von Deutschen häufig als Oberflächlichkeit missverstanden. Für Deutsche, für die Intelligenz, gründliches Nachdenken und sogar Grüblerei sehr wichtig sind, ist Überheblichkeit eine ernsthafte Charakterschwäche. Deutsche sind enttäuscht, wenn in der Diskussion keine wichtigen Themen besprochen werden. Sie fühlen sich, als hätten sie eine Chance verpasst zu diskutieren, Unterschiede zu vergleichen und von einander zu lernen.

Amerikanische Wahrnehmung

Amerikaner haben den Eindruck, Deutsche sprechen kritische Themen absichtlich an, um zu provozieren. In vielen Fällen sind Amerikaner beleidigt, weil das Verhalten der Deutschen häufig zu Kritik an ihnen, den USA, der Gesellschaft, Politik und dem amerikanischen way of life führt. Wenn das passiert, ist die Beziehung beschädigt und nur schwer wieder gut zu machen. Es macht es dann nur noch schlimmer, dass Amerikaner es ihren Freuden und Kollegen erzählen werden, und sie vor diesen „eingebildeten Deutschen“ warnen werden.

Empfehlungen an Deutsche

Entwickeln Sie ein Gespür dafür, was in den USA kritische Themen sind. Es gibt viele. Seien Sie vorsichtig, mit wem sie darüber, wann und wie reden. Sprechen Sie solche Themen nur indirekt an. Fragen Sie Ihre amerikanische Gesprächspartner, was sie davon halten. Wenn Sie gefragt werden, antworten Sie diplomatisch. Suchen Sie den Dialog, nicht die Diskussion, schon gar nicht die Debatte.
Wenn Sie eine Aussage tätigen wollen, formulieren Sie sie wie eine Frage.
Und vergessen Sie nicht, Amerikaner und Deutschen haben ein anderes Verständnis von Patriotismus. Deutsche sind immer noch sehr kritisch und skeptisch gegenüber ihrem eigenen Deutsch sein. Viele verstehen sich eher als Europäer, nicht an erster Stelle als Deutsche.
Amerikaner sind auch kritisch gegenüber ihrer Regierung. Sie kennen die Probleme. Aber es ist etwas anderes, wenn sie diese untereinander diskutieren als mit Ausländern. Amerikaner haben eine sehr persönliche Beziehung zu ihrem Land. Kritik an ihrem Land, ist Kritik an ihnen.

Empfehlungen an Amerikaner

Erinnern Sie sich immer wieder daran, dass Deutsche zwischen Person und Sache stark unterscheiden. Lebhafte Diskussionen sind nicht persönlich gemeint. Tatsächlich ist es eine Art der Deutschen, ihren Respekt gegenüber Amerikanern und den USA zu zeigen. Es zeigt, dass sie Ihre Sicht und die USA ernst nehmen. Helfen Sie ihnen deshalb, den amerikanischen Standpunkt nachzuvollziehen. Und versuchen Sie, den deutschen Standpunkt zu verstehen. Es wird sich lohnen.

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