Deutsche trennen. Amerikaner verbinden.

By on November 2, 2018

By John Otto Magee

Deutsche Logik
Deutsche trennen zwischen Sache und Person, zwischem dem Professionellen und dem Persönlichen. Es geht im Sachlichkeit. Kollegen können Meinungsverschiedenheiten haben und sogar darüber streiten, ohne dass es ihr Arbeitsverhältnis belastet. Im Gegenteil kann man sich durch Streit sogar näherkommen!
Kritisches Denken, die eigene Meinung geradeheraus sagen und die Vor- und Nachteile eines Aspekts diskutieren, sind in Deutschland Zeichen von Professionalität und Respekt vor dem anderen. Deutsche sind dafür bekannt, sich in einer Besprechung leidenschaftlich über einen Punkt zu streiten, dann zum Mittagessen zu gehen und sich unbelastet und freundlich zu unterhalten.

Amerikanische Logik
Amerikaner verbinden Sache und Person, verbinden das Professionellen mit dem Persönlichen. Die Meinung zu einem Vorschlag, Konzept oder dem Ergebnis einer Arbeit sind auch ein Urteil über die Kompetenz, Fähigkeiten und Erfahrungen einer Person. Wird die Arbeit eines Ingenieurs als schlecht beurteilt, muss auch der Ingenieur schlecht sein. Und im amerikanischen Geschäft hat es meist direkt Konsequenzen, wenn jemand schlechte Ergebnisse abliefert.
Außer wenn sie sich zu Konkurrenten oder Feinden erklärt haben, streiten oder diskutieren Amerikaner eigentlich nie direkt, heftig oder bedrohlich. Und wenn sie es tun, dann werden Sie sie bestimmt nicht freiwillig bei einem gemeinsamen Mittagessen oder Abendessen finden. Durch Streit kommt man ganz sicher nicht näher!

Deutsche Wahrnehmung
In manchen Fällen nehmen Deutsche die Signale ihrer amerikanischen Kollegen, dass diese sich beleidigt fühlen könnten, auch wahr. Aber aus ihrer Sicht sind die Amerikaner nur zu sensibel im Bezug auf Kritik und nehmen Dinge viel zu persönlich.
Es ist eine Überraschung für Deutsche, weil Amerikaner den Ruf von sog. Cowboys haben: Hart, schlagfertig, bereit für einen Kampf und eine ordentliche Diskussion. Und weil die Deutschen Professionalität als eine Fokussierung auf Substanz definieren, können vorsichtige und sensible Amerikaner als ermüdend, besonders aufmerksamkeitsbedürftig und am Ende als unprofessionell gelten.

Amerikanische Wahrnehmung
Amerikaner können sich tatsächlich persönlich beleidigt durch Aussagen der deutschen Kollegen fühlen. Aus ihrer Sicht greifen die Deutschen sie an, wenn sie solche Dinge sagen wie: „Nein, das ist falsch“, oder „Das ist nicht sinnvoll“, „Du hast offensichtlich deine Hausaufgaben nicht gemacht“ oder „diese Methode haben wir schon vor Jahrzehnten genutzt. Bringe Dich mal auf den neusten Stand“.
Im amerikanischen Geschäftskontext ist es ein Beweis für Professionalität, wenn man weiß, wie man seine Meinung respektvoll gegenüber anderen ausdrückt. Deutsche können Amerikanern tatsächlich Angst machen. Manche Deutsche werden bekannt als unberechenbar und explosiv. Amerikaner meiden sie. Und sie raten Kollen dazu, „to avoid that unpredictable and explosive German.“

Empfehlungen an Deutsche
Bleiben Sie weiterhin analytisch, direkt und ehrlich. Und sprechen Sie Themen weiterhin direkt an. Aber versuchen Sie dabei eine indirektere, weniger starke Sprache zu verwenden. Zeigen Sie sich dialogbereiter. Amerikaner sind auch auf Substanz konzentriert. Sie diskutieren auch lebhaft. Aber ihre Sprache ist subtiler und nuancenhafter.
Die Herausforderung für Sie ist nicht nur die Logik zu verstehen, die Amerikaner beim Diskutieren haben. Es ist auch eine Frage der Sprache. Es ist einfach schwierig in einer Fremdsprache durch Nuancen zu kommunizieren. Imitieren Sie deshalb die englischen Phrasen und Ausdrücke, die ihre Kollegen benutzen.
Und von Zeit zu Zeit sollten Sie ihre amerikanischen Kollegen daran erinnern, dass Englisch eine Fremdsprache für Sie ist. Sie werden Sie dafür respektieren und sich sogar häufig ein bisschen dafür schämen, das sie selbst keine Fremdsprache sprechen.

Empfehlungen an Amerikaner
Legen Sie sich eine dickere Haut zu. Nicht jede Kritik an Ihrer Arbeit ist eine Kritik an Ihnen oder ihren Fähigkeiten. Sie können intensiv mit Deutschen diskutieren und damit sogar Ihre Arbeitsbeziehung stärken.
Lebhafte Debatten, solange sie gute Argumente haben, sind ein Zeichen für Fähigkeit, Rückgrat und Professionalität in Deutschland. Nehmen Sie die Herausforderung an. Schrecken Sie nicht davor zurück.
Zur gleichen Zeit sollten Sie Ihren deutschen Kollegen aber auch zu Hilfe kommen, wenn Sie merken, dass sie unabsichtlich zu direkt waren. Wiederholen Sie die Aussage in einer etwas schwächeren Form, die diplomatischer ist. Bitten Sie ihre amerikanischen Kollegen gleichzeitig darum, sich auf die Substanz zu konzentrieren und nicht auf die Form.

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