Deutscher M&A-Markt auch im dritten Quartal 2017 weiter stark – Regulatorische Hürden immer höher

By on Oktober 6, 2017

Mit einem Paukenschlag ging das dritte Quartal im deutschen M&A-Markt zu Ende: Siemens und Alstom kündigten an, ihre Zugsparten zusammenzulegen. Die Milliardenfusion soll vorbehaltlich der Zustimmung durch die EU-Kartellbehörden Ende 2018 abgeschlossen sein. Auch sonst verlief das Jahresviertel im Transaktionsgeschäft mit deutscher Beteiligung auf Käufer-, Verkäufer oder Zielunternehmensseite durchaus lebhaft. Trotz eines Rückgangs bei Volumina und Anzahl der Deals bewegte sich der Markt mit 450 Transaktionen und einem Gesamtvolumen von rund 35,1 Milliarden US-Dollar auf einem sehr soliden Niveau. Dies sind die Ergebnisse der aktuellen M&A-Insights der Allen & Overy LLP.

„Die Rahmenbedingungen für M&A-Aktivitäten sind nach wie vor sehr günstig: Die deutschen Unternehmen sitzen auf prallen Kassen, der Anlagedruck für Finanzinvestoren lässt nicht nach, die Finanzierungsbedingungen bleiben bis auf weiteres historisch günstig“, so Dr. Hartmut Krause, Corporate/M&A-Partner bei Allen & Overy. „Zudem vollzieht sich das organische Wachstum in den entwickelten Volkswirtschaften nach wie vor relativ langsam – für viele Anleger zu langsam. In diesem Umfeld entfalten M&A-Transaktionen einen besonderen Wert. Viele Unternehmen setzen auf exogenes Wachstum. Andere nutzen das gute Umfeld zur Fokussierung auf zukunftsträchtige Kerngeschäftsfelder und trennen sich von weniger strategischen Aktivitäten.“

Aufsehenerregende innerdeutsche Deals

Die größte innerdeutsche Transaktion der vergangenen drei Monate war die Aufspaltung des Handelskonzerns Metro in die Elektroniksparte Ceconomy und die Lebensmittelsparte, die weiter unter dem traditionellen Namen firmieren wird. Die bisherigen Anteilseigner erhielten einen 90-Prozent-Anteil an dem Geschäftsbereich im Wert von 6,73 Milliarden US-Dollar.

USA bleiben Top-M&A-Ziel

Als ausländisches Zielgebiet blieben neben Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden vor allem die USA für deutsche Käufer wichtig. So übernahm der Dialysekonzern Fresenius Medical Care seinen US-amerikanischen Konkurrenten NxStage Medical für ca. 2 Milliarden US-Dollar. Die Bertelsmann-Stiftung erwarb für eine geschätzte Milliarde US-Dollar ein 22-Prozent-Aktienpaket an Penguin Random House und besitzt nun 75 Prozent des US-Verlags.

Auch bei den Übernahmen deutscher Unternehmen durch ausländische Käufer steigerte sich die Dynamik zum Quartalsende. So betreibt der finnische Versorger Fortum die Übernahme des von E.on abgespaltenen Kraftwerksbetreibers Uniper. Und Rocket Internet verkauft 13 Prozent seiner Delivery-Hero-Aktien für 660 Millionen Euro an die südafrikanische Mediengruppe Naspers.

Auch Unternehmen aus den USA waren im vergangenen Quartal im deutschen M&A-Markt aktiv. So verstärkt sich der US-Pharmakonzern Merck & Co Inc. im Bereich der Immunonkologie mit einem Zukauf in Deutschland. Er übernimmt das Biotechnologieunternehmen Rigontec aus München für rund 553 Millionen US-Dollar.

Regulatorische Daumenschrauben 

Regulatorische Hürden, die den Vollzug von M&A-Transaktionen verkomplizieren und gegebenenfalls zum Scheitern bringen können, werden immer höher. Deutlich wird das zum Beispiel an der 66 Milliarden US-Dollar schweren Übernahme von Monsanto durch Bayer. Diese entwickelt sich immer mehr zur Geduldsprobe. Die Behörden wollen den Deal weiter intensiv prüfen. Mit dem Abschluss der bereits vor einem Jahr angekündigten Transaktion ist damit frühestens Anfang 2018 zu rechnen.

Hindernisse zeigen sich auch im Verhältnis zu China. Die Regierung in Peking nimmt „irrationale“ Auslandsinvestitionen und Kapitalbewegungen genauer unter die Lupe, um Kapitalabflüsse einzudämmen. Und: „Die im Juli in Kraft getretenen Änderungen der Außenwirtschaftsverordnung haben chinesische Kaufinteressenten zusätzlich verunsichert“, so Krause.

Auch die EU machte in den vergangenen Monaten Schlagzeilen mit ihren Plänen für eine Neuregelung des Investitionsschutzes. Nach ihrem Willen sollen die Mitgliedsstaaten ausländische Direktinvestitionen in oder Übernahmen von Unternehmen aus sensiblen Bereichen künftig genauer prüfen können. Im Fokus stehen dabei kritische Infrastrukturen und Hochtechnologie, darunter künstliche Intelligenz, Halbleiter, Robotik sowie der Zugang zu kritischen Rohstoffen. „Auch dieses Gesetzgebungsvorhaben wird in erster Linie chinesische Kaufinteressenten betreffen. Innerhalb der EU-Staaten ist es allerdings umstritten“, erklärt Krause.

Ausblick

Hartmut Krause zeigt sich dennoch zuversichtlich: „Auch für die kommenden Monate rechnen wir mit anhaltender Dynamik auf dem M&A-Markt. Die Rahmenbedingungen für M&A-Aktivitäten sind nach wie vor sehr günstig. Geopolitische Entwicklungen scheinen die Zuversicht nur wenig zu beeinflussen. Jeder, der am Erwerb einer maßgeblich in den USA oder Großbritannien tätigen Unternehmensgruppe interessiert ist, steht vor der Frage, ob der Erwerb angesichts der politischen Unsicherheiten nicht besser aufgeschoben werden sollte. Dennoch haben bisher weder der Brexit noch die „America first“-Politik der neuen US-Administration die negativen Vermutungen pessimistischer Beobachter bestätigt. Im Ergebnis bleibt der Trend zu grenzüberschreitenden Transaktionen ungebrochen, obwohl die regulatorischen Hürden höher werden und die Kaufpreise hoch bleiben.“

Der quartalsweise erscheinende Report „M&A-Insights“ von Allen & Overy gibt einen Einblick in die aktuelle weltweite Marktsituation und enthält Einschätzungen von Partnern der Kanzlei. Er wird untermauert durch unabhängige, extern in Auftrag gegebene vierteljährliche Erhebungen zu Anzahl und Wert weltweiter M&A-Transaktionen.

www.allenovery.de


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