Deutscher M&A-Markt: Die Deal-Pipeline füllt sich

By on April 11, 2013

Dem aktuellen M&A Index von Allen & Overy zufolge zeigte sich der deutsche M&A-Markt im ersten Quartal 2013 zwar weniger spektakulär als sein US-Pendant, doch mit einem Blick auf die sich zunehmend füllende Deal-Pipeline in Deutschland rechnen Experten 2013 mit einem lebhafteren Marktgeschehen als im Vorjahr. Während zuletzt die milliardenschweren Transaktionsmeldungen aus den USA zeigen, dass die Rahmenbedingungen für bedeutende M&A-Transaktionen wieder gegeben sind, war der deutsche M&A-Markt in Q1 geprägt von Transaktionen im mittleren und unteren Marktsegment.
„Noch wirkt die andauernde Unsicherheit im Euro-Raum einem Übergreifen des US-amerikanischen M&A-Trends auf den deutschen Markt entgegen. Der deutsche Kapitalmarkt zeigt aber bereits seine davon gelöste Belastbarkeit. Eine vergleichbare Entwicklung bei M&A-Transaktionen wäre nicht überraschend“, so Corporate/M&A-Partner Dr. Michael J. Ulmer von Allen & Overy.
So kam es auf dem deutschen M&A-Markt im ersten Quartal 2013 bereits zu einigen großvolumigen Transaktionen wie etwa der Veräußerung der tschechischen RWE Tochtergesellschaft Net4Gas an ein Konsortium aus Allianz und Borealis Infrastructure für rund 1,6 Milliarden Euro oder dem Erwerb der von KKR gehaltenen 51%-Beteiligung an BMG durch Bertelsmann für rund 800 Millionen Euro.
Vor allem der deutsche Kapitalmarkt demonstrierte in Q1 seine wiedergewonnene Stärke: Mit einem Volumen von rund 1,17 Milliarden Euro knüpfte etwa der Börsengang von LEG Immobilien nahtlos an den IPO von Telefónica im letzten Quartal des vergangenen Jahres an. Einen neuen Weg der Erstnotierung beschreitet Evonik. Das Unternehmen wählt eine als „Cold Listing“ beschriebene Struktur, die den Alt-Aktionären eine langfristig flexible Abgabe von Anteilen über die Börse erlauben soll.
Auch für öffentliche Übernahmen war der Kapitalmarkt im ersten Quartal weiterhin interessant. So gab etwa REWE die Absicht zur Übernahme der WASGAU Produktions & Handels AG bekannt. Das Modeunternehmen Steilmann sicherte sich gemeinsam mit Equinox zunächst die Beteiligung von ca. 50% an der Adler Modemärkte AG und gab zusätzlich ein Übernahmeangebot für die verbleibenden Aktien der Gesellschaft ab.
Bemerkenswert ist auch die weiterhin hohe Aktivität von Private Equity-Investoren: Nachdem die Finanzinvestoren KKR und Permira für knapp 500 Millionen Euro sämtliche Vorzugsaktien von ProSiebenSat.1 an institutionelle Investoren abgegeben haben, wird nun mit ihrem völligen Ausstieg bei der Sendergruppe gerechnet. Weitere erwähnenswerte Transaktionen unter Private Equity-Beteiligung waren u.a. die Veräußerung von LR Health & Beauty Systems an ein Joint Venture aus Quadriga und Bregal Capital durch Apax, der Verkauf des Automobilzulieferers Anvis an Tokai Rubber Industries durch HIG oder die Veräußerung der Modehandelskette SinnLeffers nach erfolgreicher Restrukturierung an Wöhrl durch die Deutsche Industrie-Holding.
Im Bereich der Immobilien-Transaktionen ist im Vergleich zum Vorjahr ein leicht veränderter Fokus hervorzuheben: So traten in Q1 zunehmend Gewerbeimmobilien an die Stelle der großvolumigen Wohnportfolio-Transaktionen aus dem letzten Jahr. Zu nennen ist hier u.a. der vereinbarte Erwerb des Berliner „Kaufhaus des Westens“ durch ein Joint Venture zwischen dem österreichischen Investor René Benko und BSG Real Estate vom Highstreet Konsortium. Zudem sollen weitere Prestige-Immobilien des Konsortiums für insgesamt rund 1 Milliarde Euro erworben werden.
Dr. Hartmut Krause, Corporate/M&A-Partner bei Allen & Overy: „Sowohl auf dem deutschen Kapitalmarkt als auch bei M&A-Transaktionen füllt sich derzeit die Deal-Pipeline. Der Börsengang der Deutschen Annington wird vorbereitet und auch der IPO des Gabelstapler-Herstellers Kion könnte kurzfristig erfolgen. Zudem sind signifikante M&A-Transaktionen in Vorbereitung, wie etwa der beschlossene Verkauf der in der Tochtergesellschaft RWE DEA gebündelten Öl- und Erdgasförderung durch RWE.“
Sein Kollege Michael J. Ulmer weiter: „Niemand geht derzeit davon aus, dass das Jahr 2013 an die Hochzeit des M&A-Marktes in Deutschland anknüpfen wird. Ein lebhafterer M&A-Markt als der im Jahr 2012 dürfte aufgrund der gefüllten Pipeline aber realistisch sein.“
Der quartalsweise erscheinende M&A Index von Allen & Overy gibt einen Einblick in die aktuelle weltweite Marktsituation und enthält Einschätzungen von Partnern der Kanzlei. Er wird untermauert durch unabhängige, extern in Auftrag gegebene vierteljährliche Erhebungen zu Anzahl und Wert weltweiter M&A-Transaktionen.

Für eine gedruckte Version des globalen M&A Index und die Deutschlandbeilage wenden Sie sich bitte an Nadja Fersch, Communications Manager, Frankfurt am Main (nadja.fersch@allenovery.com; Tel: +49 69 2648 5555).

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