Mangel an frischem Wachstumskapital gefährdet Wettbewerbssituation des österreichischen Mittelstands

By on Mai 18, 2016

Österreich bildet beim privaten Beteiligungskapital noch immer das europäische Schlusslicht

Nachdem 2014 das Fundraising, also das neu-Einwerben von Wachstumskapital, praktisch gänzlich zum Erliegen kam, gibt es in der aktuellen Berichtsperiode (2015) wieder ein Fundraising-Volumen von 111 Mio. Euro zu beobachten. So gut wie alle neuen Mittel sind für die Frühphase bestimmt. Mit einem tatsächlich in Unternehmen investierten Volumen von 108,6 Mio. Euro hat sich Österreich im europäischen Ranking um zwei Plätze verschlechtert und belegt mit Platz 20 einen der letzten Plätze.

Auch wenn sich im Fundraising gegenüber dem Vorjahr eine Verbesserung ergeben hat, zeigt sich, dass die rechtlichen und steuerrechtlichen Rahmenbedingungen in Österreich es nach wie vor schwierig machen, institutionelles, privates Eigenkapital als nachhaltige Finanzierung für österreichische Unternehmen sicher zu stellen.

Im internationalen Investment-Ranking bildet Österreich wiederum das Schlusslicht. KMUs und Mittelstands-Unternehmen können ihre im internationalen Vergleich geringe Kapitalausstattung nicht verbessern. Der Standort Österreich kann seine mögliche Rolle als Kapitalmarkt-Hub zwischen DACH- und CEE-Raum für die Etablierung von international-orientierten Fonds nicht ausüben.

Bei genauerer Analyse zeigt sich, dass das im Jahr 2015 beobachtete Fundraising Großteils auf das erfolgreiche Fundraising von Speedinvest zurück zu führen ist und beinahe ausschließlich (74,28%) von Privatpersonen gestellt wurde. „Wenn man Venture Capital – in Österreich – machen will, dann muss man es neu erfinden. Internationaler Fokus, eigener unternehmerischer Ansatz, Augenhöhe mit unseren Gründern, und last but not least, unsere Kapitalbasis, die weitgehend selbst von Unternehmern kommt – dafür stehen wir und damit wollen wir den Beweis antreten, dass Venture auch in unserem Land eine große Zukunft hat.“, sagt Oliver Holle, Speedinvest.

Institutionelles Risikokapital, etwa von Pensionskassen und Versicherungen, lässt sich in Österreich nach wie vor nicht darstellen. „International agierende Investoren meiden Standorte mit ungeregelten rechtlichen Rahmenbedingungen, wie es in Österreich zurzeit der Fall ist. Wir treten daher mit großem Nachdruck für die Schaffung international wettbewerbsfähiger Rahmenbedingungen auf Basis einer Personengesellschaft (KG), ein“, betont Rudolf Kinsky, Präsident der AVCO. „Wie man anhand des Europäischen Rankings sieht, verliert Österreich verglichen mit anderen Standorten, immer mehr an Boden. Österreich ist in einem Jahr um zwei Plätze nach hinten auf Platz 20 gerückt. Wir spielen damit in der gleichen Liga mit Ländern wie Bulgarien, Rumänien, Ukraine und  Griechenland. Die Politik wird sich die Frage stellen müssen, ob sie eine aus Österreich heraus aktiv und wettbewerbsfähig agierende Wachstumskapital-Industrie haben will, oder ob sie dies lieber anderen Standorten überlässt. Innovative und wachstumsorientierte Unternehmen in allen Entwicklungsphasen – von der Frühphase bis hin zur Expansionsphase – können nur gestärkt durch Wachstumskapital wettbewerbsfähig und in den internationalen Märkten erfolgreich sein…“, ergänzt Jürgen Marchart, Geschäftsführer der AVCO.

Die Kennzahlen im Detail:

Investments

Im Jahr 2015 wurden von österreichischen Wachstumskapital-Fonds, also Private Equity- und Venture Capital-Fonds die in unterschiedlichste Unternehmensphasen investieren, insgesamt 108,6 Mio. Euro an privatem Wachstumskapital in 129 kleine und mittlere Unternehmen im In- (72,5 Mio. Euro) und Ausland (36,1 Mio. Euro) investiert. Das Gesamt-Investitionsvolumen der österreichischen Wachstumskapitalgeber liegt damit um knapp 3% über dem Vorjahreswert.

Das von österreichischen Fonds investierte Volumen beträgt auch 2015 wie im Vorjahr insgesamt 0,032% des BIP. Damit hat sich Österreich im europäischen Ranking der Investmentaktivitäten jedoch im Vergleich zu 2014 um zwei Plätze, auf Position 20 verschlechtert. Auch im internationalen Vergleich (EU-Durchschnitt: 0,302% des BIP) besteht nach wie vor großes Aufholpotential. Das Wachstums-Segment macht nun mit 49,9% der gesamthaft investierten Summe, nach dem Frühphasen-Segment (Total-Venture) 25% und dem Buyout-Segment (24,6%) das stärkste Segment aus. Die Branche „Financial Services“ führt bei Investments das Branchen-Ranking an, gefolgt von „Business and Industrial Products“.

Fundraising

Kapitalgeber mit Sitz in Österreich konnten 2015, 111 Mio. Euro an frischem Kapital einbringen. Damit ist der praktisch zum Erliegen gekommene Fundraising Sektor nach dem Jahr 2014 erfreulicher Weise zwar wiederbelebt, liegt im Europäischen Durchschnitt aber noch immer weit zurück. Bemerkenswert ist, dass erstmals die Investoren Gruppe der „private individuals“ (Business Angels, Unternehmer) mit 74,28% den größten Anteil am Fundraising Kuchen beisteuert.

Exits

Mit rund 60 Mio. Euro (at cost) ist das Deinvestitions-Volumen um 11% zurückgegangen. Wobei der Anteil der „Write-offs“ mit 8,5% immer noch erfreulich niedrig ist.

Weitere Informationen und Rückfragen:

Über die AVCO – Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation, sie bildet zusammen mit ihren 64 Mitgliedern die Dachorganisation der österreichischen Beteiligungskapitalindustrie und Corporate-Finance-Dienstleister und ist in Österreich kompetenter Ansprechpartner für alle Fragen zu Private Equity und Venture Capital.

(Quelle: AVCO – Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation)

www.avco.at


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