Neue Studie zur Fremdfinanzierung von deutschen Buy-out-Unternehmen veröffentlicht

By on Mai 15, 2014

Private Equity-Fonds werden in der Öffentlichkeit oft dafür kritisiert, dass sie ihren Portfoliounternehmen „exzessive“ Schulden aufladen würden. Ein Forscherteam des Lehrstuhls „Finanzmanagement und Banken“ der HHL Leipzig Graduate School of Management (Prof. Dr. Bernhard Schwetzler, Jun.Prof. Dr. Alexander Lahmann und Benjamin Hammer) hat, unterstützt durch den Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (BVK), eine Studie durchgeführt, um diese Hypothese für deutsche Unternehmen empirisch zu überprüfen. Die Stichprobe bildeten 56 deutsche Buy-Out-Unternehmen aus einem großen, weltweiten Sample der HHL, von denen die Verschuldungskennzahlen nicht nur für die gesamte Haltedauer, sondern sogar für die Jahre davor und danach ermittelt werden konnten.

Die Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild: Tatsächlich erhöht sich der sogenannte statische Verschuldungsgrad, also das Verhältnis von Fremdkapital zu Bilanzsumme, der Portfoliounternehmen während der Private Equity-Haltedauer. Die umgekehrte Entwicklung zeigt sich jedoch bei den sogenannten dynamischen Verschuldungsmaßen wie dem Verhältnis von Fremdkapital zu EBITDA und der Zinsdeckungsrate(das Verhältnis von EBIT zu Zinsaufwand). Die erste Kennzahl, auch dynamischer Verschuldungsgrad genannt, gibt an, wie viele Jahre es dauert, bis das Unternehmen seine Schulden aus dem EBITDA (der operative Gewinn vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern) getilgt hat. Die Zinsdeckungsrate zeigt, zu wie viel Prozent die Zinsen durch den operativen Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) gedeckt sind. Beide dynamischen Verschuldungsmaße zeigen eine Verringerung der Unternehmensverschuldung im Zeitablauf während der Private-Equity-Haltedauer an. Die Erklärung für diese beiden scheinbar widersprüchlichen Ergebnisse für den statischen und dynamischen Verschuldungsgrad liegt in der verbesserten Profitabilität der Unternehmen im Private Equity-Eigentum: Der Anstieg der operativen Überschussgrößen EBITDA und EBIT verleiht den Unternehmen zusätzliche Schuldentragfähigkeit und erlaubt ihnen, zusätzliches Fremdkapital ohne höheres Risiko für die Gläubiger aufzunehmen. Dass die dynamischen Verschuldungsmaße sich sogar verbessern zeigt, dass die Private Equity-Portfoliounternehmen von dieser Möglichkeit eher maßvoll Gebrauch machen: Bei unveränderten dynamischen Verschuldungskennzahlen wäre sogar eine noch weitere Erhöhung des absoluten Fremdkapitalbestandes möglich gewesen.

Primary Buyouts sind Unternehmen, die zum ersten Mal in Private Equity-Besitz sind; Unternehmen, die sich bereits zum zweiten oder dritten Mal hintereinander in Private Equity-Eigentümerschaft befinden, werden als Secondary bzw. Tertiary Buyouts bezeichnet. Differenziert man nach diesen beiden Formen, erkennt man einige Unterschiede: Während der Haltedauer zeigen bei Primary Buyouts die Verschuldungsmaße einen Rückgang an, bei Secondary/Tertiary Buyouts ist hingegen eine Zunahme zu verzeichnen. Im Jahr nach dem Ausstieg des aktuellen Finanzinvestors wandelt sich das Bild: Beim Primary Buyout steigt die Verschuldung unter dem neuen, nachfolgenden Eigentümer wieder an, während sie bei den Secondary/Tertiary Buyouts nach dem Ausstieg des aktuellen Private Equity-Investors wieder abnimmt. Die Erklärung für dieses Muster liefert die Differenzierung nach dem Charakter des nachfolgenden Eigentümers: Für Primary Buyouts kommt es generell zu einem Anstieg der Verschuldung nach dem Ausstieg des aktuellen Finanzinvestors; dieser fällt allerdings deutlich höher aus, wenn der nachfolgende Eigentümer wieder ein Finanzinvestor ist.  Für Secondary bzw. Tertiary Buyouts kommt es nach dem Exit des aktuellen Finanzinvestors zu einem Rückgang der Verschuldung; dieser fällt stärker aus, wenn der nachfolgende Eigentümer wieder eine Beteiligungsgesellschaft ist.

Die Studie zum Download finden Sie hier.

Kontakt Prof. Dr. Bernhard Schwetzler, Chair of Financial Management and Center for Corporate Transactions:
HHL Leipzig Graduate School of Management
Telefon +49 341 9851-685
Email: bernhard.schwetzler@hhl.de


Mehr Informationen zu dieser und vielen anderen Transaktionen erhalten Sie HIER


Über 25.000 recherchierte Transaktionen seit 2005 - Legen Sie sich Ihre eigene Datenbank zu!