Nur jedes vierte Unternehmen ist auf einen eventuellen BREXIT vorbereitet

By on Juni 10, 2016
  • Studien zeigen, dass Unternehmen in Großbritannien, Frankreich und Deutschland kaum vorbereitet sind
  • Lediglich in jedem fünften Unternehmen wurde das Thema im Management erörtert
  • Jedes zehnte Unternehmen zieht eine Verlagerung von Geschäftsstellen an einen Standort außerhalb der UK in Betracht

 

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Bis zum Referendum der Briten über den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union sind es kaum mehr sieben Wochen und dennoch hat laut einer von der internationalen Anwaltskanzlei Pinsent Masons in Auftrag gegebenen Studie nur jedes vierte Unternehmen in Europas größten Volkswirtschaften einen konkreten Plan, sollte es zum Brexit kommen.

Die Befragung – in Auftrag gegebenen von Pinsent Masons und durchgeführt von YouGov – von Entscheidungsträgern in über 1000 Unternehmen in Großbritannien, Frankreich und Deutschland ergab Folgendes:

  • Nur ein Viertel (26 %) der befragten Unternehmen haben einen konkreten Plan für den Umgang mit möglichen Risiken, die ein Brexit mit sich bringen würde.
  • Mehr als die Hälfte der Befragten (53 %) gab an, dass die möglichen Folgen eines Brexit noch nicht im Management diskutiert wurden.
  • Jedes zehnte Unternehmen räumte ein, im Falle eines Brexit die Verlagerung des Betriebs von der UK in ein anderes Land besprochen oder dies geplant zu haben.
  • Unternehmen in Frankreich und Deutschland haben sich mit den wirtschaftlichen Folgen, eines eventuellen Brexit eher auseinandergesetzt als britische Unternehmen.

Herausforderungen planen

Laut Pinsent Masons spiegelt sich in den Zahlen wieder, dass, während viele größere Unternehmen bereits mit einer Eventualfallplanung für einen Brexit begonnen haben, ein erheblicher Teil sich noch nicht mit den möglichen Folgen eines Austritts auseinander gesetzt hat.

Rainer Kreifels, Partner bei Pinsent Masons und Head of Germany sagt: „Während dem Thema ‚Brexit‘ in den Medien große Aufmerksamkeit geschenkt wird, ist es offenbar bisher kaum in deutsche Vorstandsetagen vorgedrungen. Unsere Umfrageergebnisse zeigen, dass etwa zwei Drittel der befragten deutschen Unternehmen, die möglichen Folgen eines Brexit noch nicht auf Vorstandsebene diskutiert haben und ganze drei Viertel keinen Plan zur Hand haben, sollte es zu einem EU-Austritt Großbritanniens kommen.

Es ist wichtig zu erkennen, dass, sollte Großbritannien für einen Austritt aus der EU stimmen, es tiefgreifende Folgen für alle Unternehmen haben wird, unabhängig davon ob diese in der UK tätig sind oder Geschäftsbeziehungen mit der UK haben.

Eine Reihe von Ökonomen ist der Auffassung, dass ein Ja zum EU-Austritt erhebliche Auswirkungen auf die britische Wirtschaft und die Volkswirtschaften der Euro-Zone haben würde.

Ob man nun solchen Vorhersagen Glauben schenkt oder nicht: Es ist kaum vorstellbar, dass sich ein Brexit nicht zumindest auf Wechselkurse auswirken würde.  Auch die Ungewissheit bezüglich des Status von britischen Staatsbürgern, die in Deutschland arbeiten und umgekehrt könnte eine wesentliche Herausforderung darstellen.

Die Ungewissheiten, die mit einem Brexit einhergingen sind so groß, dass die Versuchung bestehen mag, schlichtweg nichts zu tun bis das Ergebnis des Referendums tatsächlich feststeht. Unser Rat an unsere Mandanten und an Unternehmen allgemein ist jedoch, bereits jetzt damit zu beginnen, Maßnahmen zu ergreifen. So hat uns beispielsweise eine beachtliche Zahl unserer Mandanten in Deutschland damit beauftragt, ihre wesentlichen Vereinbarungen hinsichtlich Wegfall der Geschäftsgrundlage, Rücktrittsmöglichkeiten und Währungsrisiken zu prüfen. Andere deutsche Mandanten baten um unsere Unterstützung bei der Überprüfung von Steuer-, Unternehmens- und Kooperationsvereinbarungen ihrer britischen Tochtergesellschaften.“

Vorausschauend Planen

Pinsent Masons spricht eine Vielzahl an Maßnahmen an, die Unternehmen bereits jetzt ergreifen können, um die Störungen eines möglichen Brexit auf das Geschäft zu minimieren – von der Ermittlung der Anzahl der Arbeitnehmer, die voraussichtlich von den Regeln für den freien Personenverkehr betroffen sein werden bis zur Überprüfung, wie und wo Kundendaten gesammelt werden.

„Es gibt diverse einfache Dinge, die Unternehmen tun können. Zu diesen gehören in erster Linie die Identifizierung von unternehmenskritischen Verträgen und die Überprüfung dieser Verträge auf Zukunftssicherheit. Verträgen, die ausdrücklich auf die EU als Vertragsgebiet verweisen, fehlt es möglicherweise an Klarheit. Es dürfte leichter sein, sich zum jetzigen Zeitpunkt auf Änderungen dieser Verträge zu einigen, insbesondere wenn diese noch nicht unterzeichnet sind, als nach einem Votum, wenn die Personen am anderen Tischende wissen, dass die Zeit ausläuft“ sagt Guy Lougher, Partner und Head des Brexit Advisory Teams, Pinsent Masons.

„Angesichts der Wahrscheinlichkeit einer Störung des Wirtschaftsgeschehens ist es überraschend, wie wenige Unternehmen Gespräche mit Investoren und Geldgebern aufgenommen haben, in denen es um deren Einstellung zu Risiko nach einem Austritts-Votum geht. Es wäre ratsam, solche Gespräche zum jetzigen Zeitpunkt, unter relativ günstigen Rahmenbedingungen, zu führen.

Gleichzeitig ist es ermutigend, dass einige Unternehmen begonnen haben, die Geschäftschancen, die sich aus einem EU-Austritt Großbritanniens ergeben könnten, genauer zu betrachten. Während dies in Frankreich und Deutschland zu den zwei meistgenannten Maßnahmen gehört, die Unternehmen ergreifen, trifft dies nicht auf Unternehmen in der UK zu.“

Börsengang

Die Pinsent Masons/YouGov Studie zeigt auf, dass große Unternehmen wohl versuchen werden, das Ergebnis des Referendums zu beeinflussen: Fast ein Drittel (32%) der 211 befragten Großunternehmen gaben an, dass sie wohl dem Beispiel von Airbus folgen und mit ihren Mitarbeitern die Folgen eines Brexit auf ihr Geschäft besprechen werden*. Pinsent Masons betont, dass dies die Aussicht verbessert, dass mehr Unternehmen im Vorfeld des Referendums „die Karten auf den Tisch legen“.

„Im Zuge des schottischen Referendums wurden wir Zeugen, wie sich eine Vielzahl von Unternehmen in letzter Minute zu den tatsächlichen Auswirkungen äußerte, die eine Verfassungsänderung auf ihr Unternehmen haben würde – und viele hielten dies für den entscheidenden Schritt. Wenn die unternehmensinterne Kommunikation einen Weg in die Öffentlichkeit finden sollte – was sehr häufig der Fall ist – werden wir das Gleiche womöglich nochmal erleben.“

Aufgliederung nach Sektoren

Von den Sektoren, die näher analysiert wurden, erwies sich der Financial Services Sektor als der Sektor, der am besten auf einen möglichen Wandel vorbereitet ist. 58% der Befragten aus FS sagten, dass Gespräche auf Vorstandsebene  geführt würden, 51% haben sogar einen Aktionsplan. Unter allen Hauptgeschäftsfeldern ist es auch der Financial Services Sektor, der am ehesten eine Verlagerung des Betriebs in Betracht zieht: 18% diskutierten bereits diese Option oder haben sogar konkrete Pläne.

Anzahl der Befragten Führten Gespräche auf Vorstandsebene Haben einen Aktionsplan Haben die Verlagerung des Betriebs diskutiert / konkrete Pläne hierfür
Construction 112 34% 27% 9%
Financial services 99 58% 51% 20%
IT and Telco 169 43% 35% 11%
Manufacturing 137 44% 36% 11%

 

Geographische Unterschiede

Pinsent Masons betont dass in Großbritannien, Frankreich und Deutschland eine in gleichem Maße hohe Bereitschaft herrscht, wobei die tatsächlichen Vorbereitungen in Großbritannien – vielleicht verständlicherweise – erkenntlicher sind.

UK Frankreich Deutschland
Ja Nein Ja Nein Ja Nein
Gespräche auf Vorstandsebene 40% 42% 33% 61% 34% 66%
Aktionsplan entwickelt 24% 58% 33% 61% 23% 75%
Verlagerung des Betriebs von der UK in Betracht gezogen 9% N/A 14% N/A 5% N/A
Geschäftschancen, die sich aus einem Brexit ergeben würden in Betracht gezogen 13% N/A 18% N/A 17% N/A

 

Überraschenderweise haben offenbar Unternehmen mit Sitz in London seltener mit einem möglichen Brexit verbundene Aktionspläne entwickelt als Unternehmen anderenorts in der UK.

London Midlands Schottland Yorkshire
Aktionsplan entwickelt 21% 25% 25% 29%

 

*Als Großunternehmen gelten Unternehmen mit 250+ Mitarbeitern.

Anmerkungen für die Redakteure

  1. Die Zahlenangaben nach Methodik II sind, sofern nicht anders angegeben, von YouGov Plc. Der Gesamtstichprobenumfang betrug 1042 B2B Entscheidungsträger in Großbritannien (511), Frankreich (266) und Deutschland (2265). Feldstudien fanden zwischen dem 11. und 15. April 2016 statt. Die Umfrage wurde online durchgeführt. Die Zahlen aus Großbritannien wurden gewichtet und sind repräsentativ für die Unternehmensgröße. Frankreich und Deutschland sind nach Unternehmensgröße zitiert.

Kontakt:

Rainer Kreifels

Rechtsanwalt, Partner, Board Member

T: +49 89 203043 532

E: rainer.kreifels@pinsentmasons.com


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