Private-Equity-Markt überwindet Corona-Schock: Mehr Deals im zweiten Halbjahr

  • Nach 94 Deals im ersten Halbjahr tätigten Finanzinvestoren in Deutschland 127 Deals in der zweiten Jahreshälfte
  • Dealwert 2020 übertrifft dank Rekord-Buyout der Aufzugsparte von thyssenkrupp im ersten Halbjahr den Vorjahreswert 
  • Strategische Investoren hielten sich 2020 deutlich stärker zurück als Finanzinvestoren
  • Die meisten Transaktionen (57) in der Informationstechnologie

Der deutsche Private-Equity-Markt hat den Corona-Schock überwunden: Nachdem die Zahl der Deals im ersten Halbjahr noch deutlich zurückgegangen war, investierten Finanzinvestoren im zweiten Halbjahr wieder häufiger: Sie tätigten 127 Deals und damit 33 mehr als im ersten Halbjahr. Auf das Gesamtjahr gesehen ging das Volumen im Vergleich zu 2019 aber von 225 Deals auf 221 Deals zurück.

Der Dealwert übertraf mit 34,6 Milliarden Euro sogar den Wert des Vorjahres in Höhe von 32,2 Milliarden Euro. Das lag allerdings vor allem am ersten Halbjahr, in das mit dem Verkauf der Aufzugssparte von thyssenkrupp für 17,2 Milliarden Euro der bislang größte Buyout überhaupt in Deutschland fiel. Das zweite Halbjahr blieb mit einem Wert von 10,4 Milliarden Euro sowohl hinter der ersten Jahreshälfte als auch hinter dem Vorjahreszeitraum zurück.

Zwar kamen in der zweiten Jahreshälfte immerhin drei Megadeals im Wert von mehr als einer Milliarde Euro zustande – allerdings reichten die Verkaufswerte nicht annähernd an den thyssenkrupp-Deal heran. Der Kauf der Siemens-Tochter Flender durch Carlyle brachte 2,0 Milliarden Euro ein, die Käufe des Pharmaunternehmens Neuraxpharm durch Permira sowie des Gebäudedienstleisters Apleona durch PAI Partners jeweils 1,6 Milliarden Euro.

Das sind Ergebnisse einer Analyse des deutschen Private-Equity-Marktes durch das Prüfungs- und Beratungsunternehmen EY (Ernst & Young).

Sandra Krusch, EY-Partnerin und Leiterin Private Equity für Deutschland, Österreich und die Schweiz kommentiert die Zahlen: „Die Corona-Pandemie hat den Private-Equity-Markt im ersten Halbjahr ausgebremst. Auch die Finanzinvestoren mussten mit einer Situation umgehen, die bisher einzigartig ist. Deswegen haben sie sich zunächst zurückgehalten und geplante Deals auf Eis gelegt. Im zweiten Halbjahr haben sich die Private-Equity-Häuser aber schnell von dem Schock erholt: Die Transaktionen nahmen wieder Fahrt auf und liegen erneut auf einem hohen Niveau.“

Wolfgang Taudte, Partner bei EY: „Wir sehen wieder deutlich mehr Aktivität im Markt. Die Private-Equity-Häuser können die Auswirkungen der Pandemie auf ihr Portfolio inzwischen besser einschätzen und gegebenenfalls gegensteuern. Es gibt nach wie vor viel Anlagekapital im Markt, weshalb die Finanzinvestoren wieder vermehrt Transaktionen in Angriff nehmen.“ Taudte rechnet nicht damit, dass der neue Lockdown in Deutschland den Private Equity-Markt wesentlich beeinflussen wird: „Alle Marktteilnehmer haben gelernt, mit der Situation umzugehen.“

Strategische Investoren zeigen sich zurückhaltender als Finanzinvestoren

Viel zurückhaltender als Private-Equity-Häuser zeigten sich 2020 strategische Investoren: Sie tätigten im Gesamtjahr nur 425 Deals – das waren 25 Prozent weniger als im Vorjahr und entspricht dem niedrigsten Wert seit 2010. Der Dealwert 2020 fiel mit 34,7 Milliarden Euro um 16 Prozent niedriger als der Vorjahreswert aus. „Unternehmen mussten sich 2020 angesichts der Pandemie zunächst mal darauf konzentrieren, das eigene Haus aufzuräumen und die Finanzen in Ordnung zu halten“, betont Taudte. „Viele befanden sich selbst auf der Verkäuferseite, weil sie Unternehmensteile, die nicht zum Portfolio passen, abstoßen wollten. Für strategische Investitionen blieb da relativ wenig Raum.“

Entsprechend fanden Private-Equity-Häuser auf Seiten der strategischen Investoren auch weniger Abnehmer: Es kamen nur 46 sogenannte Exits – also Verkäufe von Finanzinvestoren an strategische Investoren – zustande. Im Vorjahr waren wurden 53 Deals durchgeführt. Allerdings stieg der Wert der Exits um 100 Prozent von 3,2 Milliarden Euro auf 6,3 Milliarden Euro.

Mit 57 Transaktionen wurden die meisten Private-Equity-Deals in der Informationstechnologie durchgeführt, gefolgt von 40 gezeichneten Deals im Industriesektor.

„Finanzinvestoren schauen sich weiter nach attraktiven, zukunftsorientierten Übernahmeobjekten um“, betont Krusch. „Insbesondere Technologieunternehmen oder moderne Industrieunternehmen stehen daher in ihrem Fokus: Sie weisen auch jetzt in Pandemiezeiten einen stabilen Cashflow aus – und bieten meist mit einer prognostizierbaren positiven Entwicklung Sicherheit für Investoren. Für das Jahr 2021 erwarten wir eine weitere Erholung des Deal-Marktes, insbesondere von Seiten der Private-Equity-Häuser. Dadurch dass auf Käuferseite weiterhin Finanzierungsmöglichkeiten auf einem hohen Niveau vorhanden sind und damit zu rechnen ist, dass sich die Profitabilität von Übernahmeobjekten nach der Krise verbessert, wird auch das Preisniveau auf einem ähnlichen Niveau wie in den Vorjahren bleiben.“

(Quelle)

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