Übernahmekarussell nimmt Fahrt auf – deutlicher Anstieg bei M&A-Transaktionen mit österreichischer Beteiligung

By on August 4, 2016
  • Gesamtzahl der Transaktionen mit Beteiligung von österreichischen Unternehmen stieg im ersten Halbjahr von 132 auf 182, Transaktionswert klettert von 2,0 auf 2,8 Milliarden Euro
  • Ausländische Investoren tätigen um 31,4 Prozent mehr M&A-Transaktionen in Österreich – größter Deal ist die Übernahme von 18,6 Prozent der BUWOG durch den Finanzinvestor Sapinda um 351,5 Millionen Euro
  • Österreichische Unternehmen verzeichnen sogar um 38,2 Prozent mehr Transaktionen bei ausländischen Unternehmen – größter Deal ist der Kauf von 53 Prozent des australischen Glücksspielunternehmens Ainsworth durch Novomatic
  • Meiste Deals werden im Industriesektor abgeschlossen, Immobilienbereich verzeichnet höchste Transaktionswerte
  • EY veröffentlicht ersten halbjährlichen M&A-Index für Österreich

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EY M&A-Index Österreich 1/2016 

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Der heimische Transaktionsmarkt verzeichnet im ersten Halbjahr 2016 einen deutlichen Aufschwung: Die Anzahl der M&A-Transaktionen mit österreichischer Beteiligung stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 38 Prozent von 132 auf 182. Der Transaktionswert legte damit von 2,0 Milliarden Euro auf 2,8 Milliarden Euro1 zu – das Durchschnittsvolumen der Deals blieb hingegen mit rund 15 Millionen Euro nahezu gleich.

Das sind die Ergebnisse des ersten österreichischen M&A-Index der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY. Für die Analyse untersucht EY halbjährlich alle veröffentlichten Transaktionen mit österreichischer Mehrheits- und Minderheitsbeteiligung.

Eva-Maria Berchtold, Partnerin und Leiterin des Bereichs Transaction Advisory Services bei EY Österreich: „Der österreichische Transaktionsmarkt befindet sich weiterhin im Aufwind. Ausländische Investoren kauften sich im ersten Halbjahr 2016 deutlich häufiger bei österreichischen Unternehmen ein, gleichzeitig stiegen auch die Investitionen heimischer Unternehmen im Ausland.“

Die Rahmenbedingungen für einen starken Transaktionsmarkt dürften weiter positiv bleiben, erwartet Berchtold: „Momentan ist gerade aufgrund der anhaltend niedrigen Zinsen enorm viel Liquidität im Markt. Investoren suchen nach renditeträchtigen Anlagen und damit nach attraktiven Übernahmezielen. Auch wenn eingetrübte Konjunkturaussichten und die momentane Unsicherheit auf den Finanzmärkten, die durch das Brexit-Votum weiter befeuert wurde, für einen kurzfristigen Dämpfer sorgen können, wird das Klima im österreichischen M&A-Markt vielversprechend bleiben.“

Von den insgesamt 182 Transaktionen mit österreichischer Beteiligung fällt der Großteil (36,8%) in die Kategorie „Inbound“ – dabei erwerben ausländische Investoren Unternehmen oder Unternehmensanteile in Österreich. Fast gleich hoch (36,3%) ist der Anteil an Transaktionen, bei denen österreichische Investoren bei ausländischen Unternehmen eingestiegen sind („Outbound“). Bei 26,9 Prozent der Transaktionen waren sowohl Käufer als auch Zielunternehmen aus Österreich („Domestic“).

Strategische Investoren bestimmen M&A-Aktivitäten – Industrie mit meisten Transaktionen
Im ersten Halbjahr 2016 gaben strategische Investoren gegenüber Finanzinvestoren klar den Ton an: Bei 169 von 182 Transaktionen waren Unternehmen, die ihr eigenes Geschäftsmodell durch einen Kauf stärken wollen oder neue Geschäftsfelder erschließen wollen, die Käufer – das entspricht einem Anstieg um rund 39 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Demgegenüber stehen 13 M&A-Deals, bei denen Finanzinvestoren als Käufer tätig wurden.

Dazu Robert Hufnagel, Geschäftsführer M&A Advisory bei EY Österreich: „Durch die Digitalisierung sind Unternehmen jeglicher Größenordnung unter Zugzwang, ihre Geschäftsmodelle kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls anzupassen. In vielen Fällen können sie die nötigen Innovationen nicht aus dem Unternehmen heraus entwickeln und suchen deshalb nach Übernahmezielen mit entsprechendem Know-how. Gleichzeitig sehen sich viele aber auch zu radikalen Maßnahmen, wie Abspaltungen ganzer Geschäftssparten, gezwungen. Beide Entwicklungen befeuern Übernahmen von Unternehmen oder Unternehmensanteilen durch strategische Investoren.“

Dementsprechend gab es auch im sich momentan besonders stark wandelnden Industriesektor die meisten Transaktionen mit österreichischer Beteiligung (40), gefolgt von der Immobilien- und Baubranche (36) und dem Technologie-Bereich (28). Das höchste Gesamtvolumen floss mit insgesamt 1,5 Mrd. Euro im Immobiliensektor – fast zwei Drittel davon (955,2 Millionen Euro) entfielen jedoch alleine auf die zwei größten Deals im ersten Halbjahr 2016: Für den Erwerb von 26,5 Prozent der CA Immo investierte die Immofinanz 603,7 Millionen Euro, für den Kauf von 18,5 Prozent der BUWOG zahlte der niederländische Finanzinvestor Sapinda 351,5 Millionen Euro.

Österreich rückt stärker in den Fokus ausländischer Investoren
Das Interesse ausländischer Investoren an österreichischen Unternehmen („Inbound“) nimmt zu: Im ersten Halbjahr haben sie insgesamt 67 österreichische Unternehmen gekauft oder Unternehmensanteile erworben – ein Zuwachs um 31,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig stieg der Transaktionswert von 900 Millionen Euro auf 1,4 Milliarden Euro. Im Schnitt flossen pro Deal rund 20,5 Millionen Euro. Alleine auf die fünf größten Transaktionen entfielen rund eine Milliarde Euro. Der bis dato größte Deal des Jahres war der Kauf von 18,5 Prozent der BUWOG durch die niederländische Sapinda (351,5 Millionen Euro), gefolgt von der Akquisition der burgenländischen Let’s Print Holding AG durch die britische Walstead Group um 175 Millionen Euro.

Vor allem deutsche Unternehmen wurden im ersten Halbjahr auf der Suche nach attraktiven Übernahmezielen in Österreich fündig: Mehr als ein Drittel (36%) aller Transaktionen geht auf das Konto deutscher Investoren. Auf Platz zwei der größten Investoren in Österreich liegen gleichauf die Schweiz und Großbritannien (je 6%). Insgesamt wurden knapp mehr als zwei Drittel (67%) aller Transaktionen in Österreich von Investoren mit Sitz in Europa getätigt. Wenig spüren österreichische Unternehmen hingegen von der aktuellen „Shoppingtour“ chinesischer Investoren in Europa, die bislang 2016 erst zwei Deals hierzulande tätigten. Die meisten Transaktionen gab es im Immobiliensektor (17), gefolgt von der Technologiebranche (14) sowie dem Industriesektor (11). Mit insgesamt rund 800 Millionen Euro verzeichnet der Immobiliensektor auch die höchsten Transaktionsvolumina.

Heimische Unternehmen tätigen deutlich mehr Transaktionen im In- und Ausland
Im Gegenzug öffneten auch österreichische Unternehmen im ersten Halbjahr die Geldkoffer und tätigten 66 Transaktionen im Ausland („Outbound“) – das sind 36,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Insgesamt investierten sie dabei rund 800 Millionen Euro und damit deutlich mehr als im Vorjahreszeitraum (300 Millionen Euro). Im Durchschnitt nahmen österreichische Unternehmen pro Transaktion 12,2 Millionen Euro in die Hand – deutlich weniger als ausländische Investoren hierzulande pro Deal investierten (20,5 Millionen Euro). Am häufigsten schlugen österreichische Unternehmen bei Industrieunternehmen (24) sowie Betrieben aus dem Immobilien- und Konsumgüterbereich (je 9) zu. Das meiste Geld nahmen sie mit rund 400 Millionen Euro für Deals im Konsumgüterbereich in die Hand.

Deutsche Unternehmen waren die mit Abstand attraktivsten Investitionsziele im ersten Halbjahr – 42,5 Prozent aller Transaktionen tätigten heimische Unternehmen dort. Insgesamt entfielen 82 Prozent aller Zukäufe von heimischen Unternehmen auf Europa, die 53 Prozent (806 Millionen Euro) des Transaktionsvolumens ausmachten. Die mit Abstand größte Transaktion war der Erwerb des Mehrheitsanteils an dem australischen Glücksspielbetreiber Ainsworth Game Technology durch Novomatic um 320,7 Millionen Euro.

Auch im Inland kauften österreichische Unternehmen stärker zu: Insgesamt tätigten sie 49 Transaktionen innerhalb Österreichs („Domestic“) – das sind um 36,1 Prozent mehr als im Vorjahr. In diese Kategorie fällt auch der bisher größte Deal des Jahres: Den Erwerb von 26,5 Prozent der CA Immo ließ sich die Immofinanz 603,7 Millionen Euro kosten.

1 Das Transaktionsvolumen bezieht sich nur auf Transaktionen, deren Wert bekannt gegeben wurde.

(Quelle)


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