Unternehmensgründer und Familien verkaufen an Private Equity: Jedes dritte MBO aus Nachfolgeregelung

By on Januar 25, 2018
  • Management-Buy-outs im Mittelstand 2017 auf Rekordhoch
  • Branchenumfrage: Schärfere Konkurrenz unter Finanzinvestoren
  • Herausforderung: Wertsteigerung vor dem Hintergrund höherer Einstiegsbewertungen

Die Akzeptanz von Private Equity im Mittelstand ist weiter gestiegen. Dies lässt sich an dem hohen Anteil ablesen, den Unternehmensgründer und Familien unter den Veräußerern von Unternehmen an Finanzinvestoren haben: Gut jedes dritte MBO im mittleren Segment des deutschen Buy-out-Marktes war 2017 eine solche Nachfolgelösung. Das ist mit Abstand der höchste bisher ermittelte Anteil. Finanzinvestoren haben im vergangenen Jahr im deutschen Mittelstand insgesamt 35 Management-Buy-outs strukturiert – eines mehr als 2016 und lediglich eines weniger als 2007, dem Jahr mit der bisher höchsten Marktaktivität. In mehr als der Hälfte der Transaktionen (19 von 35) waren Finanzinvestoren auf beiden Seiten aktiv, also als Verkäufer und als Käufer. Auch dies ist ein neuer Höchstwert seit Beginn der Marktauswertung durch die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) 2003. Abspaltungen von Konzernen sind mit fünf Fällen 2017 die Ausnahme gewesen. „Beides – die gestiegene Akzeptanz von Private Equity unter Gründern und Familienunternehmern sowie der hohe Anteil von Secondary Buy-outs spiegeln den zunehmenden Reifegrad des deutschen Private-Equity-Marktes wider“, so Torsten Grede, Sprecher des Vorstands der DBAG am Mittwochabend vor Journalisten in Frankfurt am Main.

In der Auswertung werden ausschließlich Transaktionen berücksichtigt, in denen Finanzinvestoren Unternehmen mehrheitlich unter Beteiligung des Managements erworben haben und die einen Transaktionswert für das schuldenfreie Unternehmen von 50 bis 250 Millionen Euro aufweisen. Grundlage sind öffentlich zugängliche Quellen sowie Schätzungen und Recherchen der DBAG in Zusammenarbeit mit FINANCE. Private-Equity-Gesellschaften finanzierten im vergangenen Jahr Buy-outs im deutschen Mittelstand im Wert von rund 4,4 Milliarden Euro. Dies ist der höchste Wert der vergangenen 15 Jahre; 2016 hatte das Transaktionsvolumen insgesamt 3,6 Milliarden Euro betragen. Der durchschnittliche Unternehmenswert stieg um 20 Prozent auf rund 126 Millionen Euro. Anders als 2016 entfiel jetzt die Mehrzahl der Transaktionen (18 von 35) auf den oberen Teil des Segments (Unternehmenswert: 100 Millionen Euro bis 250 Millionen Euro). Mehr als die Hälfte der Transaktionen (19 von 35) wurde durch multinationale, pan-europäische Private-Equity-Fonds strukturiert; im Vorjahr hatte der Anteil dieser Fonds bei unter 40 Prozent gelegen.

Die Deutsche Beteiligungs AG ist 2017 in der Liste der Buy-outs mit zwei MBOs vertreten und gehört damit erneut zu den aktivsten Finanzinvestoren für privates Beteiligungskapital in dem betrachteten Marktsegment. In den vergangenen zehn Jahren entfielen 20 Transaktionen auf die DBAG, so viele wie auf keinen anderen Finanzinvestor.

Private Debt-Fonds mehr als eine Zeiterscheinung: „Marktanteil bei Buy-out-Finanzierungen wird steigen“

Zur Finanzierung ihrer Transaktionen setzen Private-Equity-Manager zunehmend auf Private Debt Funds als Alternative zur klassischen Bankfinanzierung: Drei von vier Beteiligungsmanagern erwarten, dass der Marktanteil der Kreditfonds bei Buy-out-Finanzierungen künftig steigen wird. Das ergab eine Umfrage unter Investmentmanagern aus mehr als 50 in Deutschland tätigen Private-Equity-Häusern, die alle sechs Monate im Auftrag der DBAG vom Fachmagazin FINANCE über Trends im deutschen Mittelstandssegment befragt werden. Zuletzt (3. Quartal 2017) wurde (unter Einbeziehung auch größerer Buy-outs) nahezu jede dritte Transaktion unter Beteiligung eines Kreditfonds finanziert. Der Wettbewerb zwischen diesen Fonds und Banken hat dazu geführt, dass Gebühren und Zinsmargen für Buy-out-Finanzierungen zurückgegangen sind. Jeder zweite Beteiligungsmanager hat in der zum Jahresende 2017 durchgeführten Befragung angegeben, dass er mit einer weiteren Verbesserung der Konditionen rechne.

Das größere Angebot auf der Fremdfinanzierungsseite geht einher mit einem anhaltenden Mittelzufluss für Private-Equity-Fonds. Die Finanzinvestoren bemühen sich um einen guten Investitionsfortschritt. Die schärfere Konkurrenz um eine sich insgesamt kaum verändernde Zahl von zum Kauf angebotenen Unternehmen trägt zu dem seit längerem beobachteten Anstieg der Bewertungen bei. Die Konkurrenz untereinander wird der Umfrage zufolge auf einer Skala von 1 (sehr gering) bis 10 (sehr hoch) inzwischen mit 8,6 bewertet, deutlich höher als vor einem Jahr (8,0). Gleichwohl wird das Angebot an Beteiligungsmöglichkeiten positiver wahrgenommen als in den vergangenen Jahren. „Die Rahmenbedingungen für unser Geschäft sind grundsätzlich gut“, sagte Vorstandssprecher Grede: „Makro-ökonomisch geht es aufwärts und das Kapitalangebot ist weiterhin sehr üppig, nicht zuletzt durch die Mittel der Private-Debt-Fonds auch auf der Fremdfinanzierungsseite.“

DBAG löst 2017 Eigenkapitalinvestitionen über 242 Millionen Euro aus

Die Deutsche Beteiligungs AG hat 2017 für die von ihr beratenen Fonds sieben Management-Buy-outs strukturiert: Zwei davon, nämlich die MBOs der Radiologie-Gruppe und der Abbelen GmbH (inzwischen Teil von More than Meals), sind in die erwähnte Statistik eingegangen, die fünf weiteren MBOs sind anderen Marktsegmenten zuzuordnen. Die DBAG löste dafür Eigenkapitalinvestitionen über rund 242 Millionen Euro aus. Ihr stehen für Beteiligungen im Mittelstand zwei Fonds zur Verfügung: Der DBAG Fund VII – mit einer Milliarde Euro Mittelzusagen der größte deutsche Private-Equity-Fonds für Beteiligungen im Mittelstand – kann bis zu 200 Millionen Euro Eigenkapital je Transaktion einsetzen; der Fonds ist ein Jahr nach Investitionsbeginn zu mehr als 20 Prozent abgerufen. Der DBAG ECF investiert mehrheitlich oder minderheitlich in Unternehmen mit kleinerem Unternehmenswert; er richtet seinen Fokus vor allem auf inhabergeführte mittelständische Unternehmen und bietet über eine breite Palette von Finanzierungsformen eine hohe Flexibilität, die für Unternehmer mit Blick auf die Beteiligungsquote oder die Haltedauer besonders wichtig ist.

Wertsteigerung wird anspruchsvoller

2018 wird sich die Marktlage nach Auffassung der DBAG nicht grundsätzlich ändern. „Aufgrund der guten Rahmenbedingungen erwarten wir auch 2018 eine hohe Marktaktivität“, sagte Vorstandssprecher Grede; „angesichts des steigenden Preisniveaus bleibt die Herausforderung an Auswahl und Umsetzung von Wertsteigerungsstrategien für die Portfoliounternehmen – etwa die Erweiterung der Produktpalette oder die geografische Markterschließung – groß.“

Weitere Informationen sowie die vollständigen Ergebnisse der Marktbefragung und der Marktstatistik finden sich auf der Website der DBAG (www.dbag.de).

Die börsennotierte Deutsche Beteiligungs AG initiiert geschlossene Private-Equity-Fonds und investiert an der Seite der DBAG-Fonds in gut positionierte mittelständische Unternehmen mit Entwicklungspotenzial. Einen Schwerpunkt legt die DBAG auf die Industriesektoren, in denen der deutsche Mittelstand im internationalen Vergleich besonders stark ist. Mit dieser Erfahrung, mit Know-how und Eigenkapital stärkt sie die Portfoliounternehmen darin, eine langfristige und wertsteigernde Unternehmensstrategie umzusetzen. Der unternehmerische Investitionsansatz macht die DBAG zu einem begehrten Beteiligungspartner im deutschsprachigen Raum. Das vom DBAG-Konzern verwaltete und beratene Kapital beträgt rund 1,8 Milliarden Euro.


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