Zum Scheitern verurteilt – Fünf Indizien für den Misserfolg von M&A-Deals

By on Januar 9, 2018

Die Welt der Finanzen ist sprunghaft, das gilt auch zunehmend für Vertragsvereinbarungen. Neueste Ergebnisse einer Studie von Intralinks und der Cass Business School zeigen, dass der Anteil gescheiterter Akquisitionen nach einer kontinuierlichen Zunahme in den vergangenen drei Jahren im Jahr 2016 auf ein Achtjahreshoch gestiegen ist.

Ganze 7,2 Prozent der im letzten Jahr angekündigten M&A-Deals wurden nicht abgeschlossen. Das ist die höchste Quote weltweit seit Beginn der internationalen Finanzkrise im Jahr 2008, insgesamt die höchste seit 1995 und liegt deutlich über der langfristigen durchschnittlichen Gesamtquote von 5,7 Prozent. Philip Witchelo, Vice President of Product Marketing bei Intralinks, zeigt die wichtigsten Indikatoren, die für einen Abbruch von M&A-Deals bei börsennotierten und privaten Unternehmen sprechen.

1. Vom Übernahmekandidaten zu zahlende Aufhebungszahlungen
Der bedeutendste Abbruchfaktor für Deals ist eine fehlende Aufhebungszahlung des Übernahmekandidaten, auch Break Fee genannt (d.h. eine Gebühr, die der Übernahmekandidat dem Erwerber zahlt, wenn das Geschäft nicht abgeschlossen wird). Die Daten zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit für einen Abbruch sinkt, wenn der Übernahmekandidat der Zahlung einer Gebühr zustimmt. In diesem Fall reduziert sich die Wahrscheinlichkeit für einen Abbruch durchschnittlich um fast 12 Prozent. Allerdings ergab die Studie, dass vom Erwerber zu zahlende Aufhebungsgebühren keinen signifikanten Einfluss auf den Abbruch haben. Für Deals mit privaten Übernahmekandidaten stehen die Break Fees an vierter Stelle: Die Studie ergab, dass Reverse Break Fees die Wahrscheinlichkeit eines Abbruchs um 2 Prozent reduzieren. Allerdings zeigt die Studie auch, dass vom Übernahmekandidaten zu zahlende Aufhebungsgebühren keinen signifikanten Einfluss auf einen Abbruch haben.

2. Größe spielt eine Rolle
Ist der Übernahmekandidat nach Gesamtumsatz, relativer und absoluter Größe gemessen größer als der Erwerber, kommen Deals weniger wahrscheinlich zum Abschluss. Dabei ermittelte die Studie, dass die absolute Größe des Übernahmekandidaten an zweiter, seine relative Größe nach den Umsatzzahlen an sechster und die absolute Größe des Erwerbers an siebter Stelle der Abbruchfaktoren stehen. Deals mit kleineren Erwerbern kommen weniger wahrscheinlich zum Abschluss. Bei privaten Übernahmekandidaten ist die relative Größe zum Erwerber nach Umsatzverhältnis sogar der wichtigste Abbruchfaktor: Die Wahrscheinlichkeit für den Abschluss eines Deals sinkt, je größer der Übernahmekandidat im Vergleich zum Erwerber ist.

3. Unerwünschte Aufmerksamkeit
Kommt der Übernahmekandidat bei Deal-Ankündigung zu der Einschätzung, dass es sich um eine feindliche oder unaufgeforderte Übernahme handelt, steigt die Wahrscheinlichkeit für ein Scheitern des Deals. Dies ist laut Studie der drittwichtigste Abbruchfaktor eines Deals. Wird die Ankündigung als feindlich oder unaufgefordert eingestuft, erhöht sich die Abbruchwahrscheinlichkeit um 32 bzw. 41 Prozent.

4. Qualität der Beratung
Zudem ist die Anzahl der beteiligten Rechts- und Finanzberater, welche der Erwerber für den Deal abgestellt hat, an vierter und fünfter Stelle einzuordnen. Je höher die Zahl der Berater ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass der Abschluss zustande kommt. Dabei spielt es laut Studie keine Rolle, wie viele Berater beim Übernahmekandidaten bereitstehen. Aber jeder zusätzliche Finanzberater beim Erwerber senkt die Abbruchwahrscheinlichkeit um 11,5 Prozent und jeder zusätzliche Rechtsberater um 8,0 Prozent.

5. „Cash is King“
Als besonders wichtig erwies sich auch die gewählte Zahlungsmethode des Erwerbers und ist auf Platz acht wiederzufinden. Demnach ist eine Zustimmung zum Deal wahrscheinlicher, wenn Bargeld die einzige Form der angebotenen Gegenleistung für die Aktionäre des Übernahmekandidaten ist. Bei privaten Übernahmekandidaten steht die Liquidität des Erwerbers, gemessen am Verhältnis seines Umlaufvermögens zu seinen kurzfristigen Schulden, auf Platz zwei im Ranking. Ein Deal ist wahrscheinlicher, je liquider der Erwerber ist. Außerdem steht die vom Bewerber angebotene Zahlungsmethode als drittwichtigster Faktor auf dem Plan. Hier gilt: Deals, bei denen Bargeld die einzige Form der Gegenleistung für die Aktionäre des Übernahmekandidaten darstellen, kommen eher zustande.


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