Chinas Auslandsinvestitionen blieben 2021 konstant, während globale Direktinvestitionen wieder anstiegen

  • Weltweite ausländische Direktinvestitionen Chinas blieben 2021 konstant. Chinesische Fusionen und Übernahmen im Ausland erreichten USD 23,7 Milliarden, was einen leichten Rückgang gegenüber 2020 darstellt
  • Achte jährliche Studie von Baker McKenzie und Rhodium Group zeigt: Chinesische FDI in Europa sind um 25 Prozent auf USD 12,8 Milliarden gestiegen. In Nordamerika gingen sie hingegen um 34 Prozent auf nur noch USD 5,8 Milliarden zurück
  • Lateinamerika verzeichnete mit USD 3 Milliarden im Jahr 2021 weiterhin erhebliche chinesische Investitionen
  • Weniger politisch sensible Sektoren wie Konsumgüter, Unterhaltung und Online-Spiele sind weiterhin von großem Interesse

Die chinesischen Direktinvestitionen (FDI) ins Ausland blieben 2021 im Vergleich zum Vorjahr konstant, im Gegensatz zu einem starken Wiederanstieg der globalen FDI-Ströme. Die abgeschlossenen Fusionen und Übernahmen chinesischer Unternehmen gingen leicht zurück und erreichten 2021 einen Wert von USD 24 Milliarden im Gegensatz zu USD 29 Milliarden im Vorjahr. Das ergab die achte jährliche Analyse von Baker McKenzie in Zusammenarbeit mit der Rhodium Group zu den Trends bei chinesischen Auslandsinvestitionen.

In den letzten fünf Jahren gingen die ausländischen Direktinvestitionen in China stetig zurück. Dies ist auf größere inländische Hürden für Kapitalflüsse ins Ausland und ein komplizierteres regulatorisches Umfeld im Ausland zurückzuführen. Der Rückgang bei Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M&A) war besonders ausgeprägt, und Chinas strenge Pandemie-Maßnahmen haben das Dealmaking im Ausland 2020 und 2021 weiter belastet. Hingegen erholten sich die weltweiten grenzüberschreitenden M&A im gleichen Zeitraum stark.

Dr. Thomas Gilles, Leiter der EMEA-China-Gruppe von Baker McKenzie, kommentiert: „M&A hat wieder Hochkonjunktur: Laut Refinitiv erreichten die weltweiten M&A-Aktivitäten im vergangenen Jahr um USD 5,9 Billionen. Das entspricht einem beeindruckenden Sprung von 71 Prozent gegenüber 2020. Untermauert werden diese Zahlen durch die Rekordzahl an Fusionen und Übernahmen im Technologiesektor, die allein 2021 USD 1,1 Billionen erreichen werden.

Die chinesischen Direktinvestitionen folgten diesem globalen Trend und verzeichneten einen leichten Wachstumsanstieg auf USD 23,7 Milliarden im Jahr 2021, verglichen mit USD 19,1 Milliarden im Jahr 2020 und USD 26,8 Milliarden im Jahr 2019. Doch angesichts der zunehmenden Kontrolle von Auslandsinvestitionen durch ausländische Aufsichtsbehörden, vor allem im Technologiesektor, suchen viele chinesische Unternehmen auch nach inländischen Optionen.“

Jannan Crozier, Global Chair der Globalen M&A Praxisgruppe von Baker McKenzie ergänzt: Auch wenn die chinesischen Direktinvestitionen in Europa, Nordamerika und Asien ihren Höchststand von 2017 nicht annähernd erreicht haben, wird es interessant sein zu sehen, wie chinesische Investitionen andere Märkte wie Ozeanien, Afrika und Lateinamerika 2022 prägen werden. Dies wird wiederum die inländischen Investitionsströme im asiatisch-pazifischen Raum beeinflussen. Sicher ist jedoch, dass wir ein dynamisches und aufregendes Jahr für chinesische und globale M&A-Aktivitäten erwarten können.

Geografische Aufteilung und wichtigste Sektoren

Europa verzeichnete 2021 das größte M&A-Interesse mit abgeschlossenen chinesischen Transaktionen im Wert von über USD 8,4 Milliarden. Asien und Nordamerika lagen mit USD 5,4 Milliarden und USD 4,7 Milliarden an zweiter und dritter Stelle. Die Fusionen und Übernahmen in Lateinamerika erreichten 2021 ein Volumen von USD 3 Milliarden, während sich die Übernahmen in Ozeanien und Afrika auf etwa USD 1,5 Milliarden beliefen.

Weniger sensible Sektoren wie Konsumgüter und Dienstleistungen (USD 5,2 Milliarden) und Unterhaltung (USD 4,6 Milliarden) waren weltweit die wichtigsten Anziehungspunkte für chinesische M&A-Aktivitäten im Ausland und machten fast die Hälfte der Gesamtinvestitionen aus. Transport und Infrastruktur (USD 3,8 Milliarden), Finanz- und Unternehmensdienstleistungen (USD 3,3 Milliarden), Grundstoffe (USD 1,8 Milliarden) und Gesundheit (USD 1,2 Milliarden) bildeten den Rest der Top 6.

Verlangsamte Geschäftsabschlüsse seit 2017 haben dazu geführt, dass China im Vergleich zu seinem wirtschaftlichen Fußabdruck zu wenig in der Welt investiert. Das deutet auf ein beträchtliches Aufholpotenzial hin, sobald die Pandemiebeschränkungen und der politische Gegenwind nachlassen werden.

Fusionen und Übernahmen im Hightech- und Immobiliensektor gehen zurück

Ausländische Fusionen und Übernahmen im Hightech-Sektor gingen zurück, da die Regulierungsbehörden in Übersee ihre Kontrollen verschärft haben und China sich auf den Aufbau von Alternativen im Inland konzentriert. Die ausländischen Direktinvestitionen chinesischer Unternehmen in den IKT (Informations- und Kommunikationstechnologie) -Sektor in Europa gingen von USD 8 Milliarden im Zeitraum 2016-2017 auf USD 5,3 Milliarden im Zeitraum 2018-2019 sowie USD 3 Milliarden im Zeitraum 2020-2021 zurück. In Nordamerika sanken die ausländischen Direktinvestitionen im gleichen Sektor sogar noch schneller, nämlich von USD 10 Milliarden im Zeitraum 2016-2017 auf weniger als USD 150 Millionen in den folgenden vier Jahren.

Auch die Immobilieninvestitionen in Übersee sind zu einem Rinnsal geschrumpft. Zudem beschleunigte der finanzielle Druck im Inland die Veräußerung von Immobilien und die Umstrukturierung von Vermögenswerten. Die chinesischen Auslandsinvestitionen in Immobilien gingen von USD 150 Milliarden im Zeitraum 2015-2017 auf nur noch USD 8 Milliarden im Zeitraum 2019-2021 zurück. Die Veräußerungen von Immobilienanlagen beliefen sich in den letzten fünf Jahren auf mindestens USD 10 Milliarden. Chinesische Bauträger mussten 2021 damit anfangen, Auslandsprojekte an Gläubiger abzutreten, nachdem sie mit der Rückzahlung von Anleihen in Verzug geraten waren.

Konsumgüter- und Energiesektor im Aufwind

Weniger politisch sensible Sektoren wie Konsumgüter, Unterhaltung und Online-Spiele stoßen weiterhin auf großes Interesse. Auf Konsumgüter und Dienstleistungen entfielen 2021 41 Prozent des Gesamtwerts der chinesischen M&A im Ausland, gegenüber 18 Prozent im Jahr 2020. Online-Gaming ist mit mehreren großen Deals von Tencent ein besonders attraktives Ziel geworden.

Aufstrebende chinesische Global Champions beginnen, durch umfangreiche FDI-Projekte auf der grünen Wiese weltweit zu expandieren, z.B. entlang der Automobilzulieferkette. SVOLT Energy und CATL investieren USD 2,4 Milliarden bzw. USD 2 Milliarden in Batteriefabriken für Elektrofahrzeuge in Deutschland. Envision geht eine Partnerschaft mit Renault ein, um für USD 1,2 Milliarden Elektrofahrzeuge in Frankreich zu entwickeln. Der Gesamtwert dieser und weiterer Geschäfte und Bauvorhaben in der Automobilzulieferkette könnte sich in den nächsten zwei Jahren auf über USD 14,5 Milliarden belaufen.

Auch im Energiesektor ist das Interesse der Chinesen an Fusionen und Übernahmen wieder gestiegen. Diese Entwicklung geht auf die Nachfrage nach neuen Materialien für Elektrofahrzeuge und den Übergang zu sauberer Energie zurück. Chinesische Bergbauunternehmen erwarben in den letzten drei Jahren in Entwicklungsländern Lateinamerikas und Afrikas Lithium-/Kobaltabbau- und -verarbeitungsanlagen im Wert von über USD 4 Milliarden. Zudem haben chinesische Staatsunternehmen in Chile, Mexiko, Brasilien und Spanien Energieversorgungsunternehmen und Anlagen im Bereich der sauberen Energie für über USD 13 Milliarden erworben.

Alejandro Mesa, Leiter der Energierechtspraxis von Baker McKenzie in Bogotá und Regional Coordinator der Praxisgruppe International Commercial & Trade für Lateinamerika, kommentiert: „Mehrere Faktoren haben zu den chinesischen M&A-Aktivitäten in Lateinamerika beigetragen. Erstens hat die Abwertung in den lateinamerikanischen Ländern den Wert des Vermögens in USD verringert. Zweitens gibt es eine große Anzahl von Regierungen, die ihr Interesse an einer Zusammenarbeit mit China als Geschäftspartner gegenüber den traditionelleren Partnerschaften mit den USA bekundet haben. Drittens hat China ‚mehr Appetit‘ auf langfristige Investitionen in der Region, da sich wahrscheinlich die Volkswirtschaften mittel- bis langfristig verbessern und somit ein guter Zeitpunkt für den Verkauf entsteht. Wir gehen davon aus, dass China 2022, abgesehen von einer Fortsetzung der traditionellen Investitionen in Rohstoffe, stark in Telekommunikation und Infrastruktur investieren wird.“

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