Kroll-Report: Risikomanagement-Entscheider in Deutschland haben im internationalen Vergleich wenig Vertrauen, dass ihre unternehmensinternen Anti-Korruptions-Maßnahmen greifen

Laut dem aktuellen Global Fraud and Risk Report von Kroll, einem weltweit führenden Anbieter von Dienstleistungen und digitalen Produkten für die Bereiche Bewertungen, Governance, Risikomanagement und Transparenz, sind die weltweit größten Unternehmen im Jahr 2020 am stärksten von Korruption und anderen illegalen Aktivitäten betroffen.

Der Report, der auf einer Umfrage unter mehr als 1.300 Entscheidern im Bereich Risikomanagement aus 17 Ländern und Regionen basiert, zeigt, dass 57 Prozent der Befragten in Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 15 Milliarden US-Dollar die Auswirkungen von illegalen Aktivitäten wie Betrug, Korruption und Geldwäsche als „sehr stark“ einschätzen. Ein weiteres Viertel der Befragten (25 Prozent) beschreibt die Auswirkungen als „eher stark“. Dieser Trend setzte sich auch bei Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen 10 und 15 Milliarden US-Dollar fort: Hier gaben 48 Prozent aller Befragten an, dass ihr Unternehmen „sehr stark“ betroffen sei, und 44 Prozent gehen von „eher starken“ Auswirkungen aus.

Der Report zeigt außerdem, dass Unternehmen verstärkt auf proaktive Maßnahmen im Umgang mit Bestechungs- und Korruptionsrisiken setzen. Dazu zählen unternehmensweite Risikobewertungen (82 Prozent) sowie die Nutzung proaktiver Datenanalysen (86 Prozent). Darüber hinaus gaben fast drei Viertel der Befragten (72 Prozent) an, dass Bestechungs- und Korruptionsfragen auf höchster Führungsebene ernst genommen werden und ausreichend in die Prävention und Abwehr dieser investiert wird. Trotz dieser Maßnahmen waren jedoch 82 Prozent der Befragten der Meinung, dass Korruption und andere illegale Aktivitäten erhebliche Auswirkungen auf ihr Unternehmen haben.

Befragte aus Deutschland zeigten sich im internationalen Vergleich deutlich weniger zuversichtlich, dass ihre Unternehmen gegen Risiken wie Bestechung und Korruption gewappnet seien. Nur die Hälfte der Befragten (51 Prozent) gehen davon aus, dass ihre unternehmensinternen Maßnahmen gegen Bestechungs- und Korruptionsfälle tatsächlich effektiv bei der Erkennung und Bekämpfung solcher Risiken seien. Weltweit lag die Quote mit 74 Prozent deutlich höher.

Außerdem gaben 39 Prozent der hierzulande Befragten an, dass die höchste Führungsebene aus ihrer Sicht nicht genügend Aufmerksamkeit und Ressourcen für die Bekämpfung von Bestechungs- und Korruptionsrisiken aufwendet. Damit liegt Deutschland gleichauf mit Russland und schneidet im europäischen Vergleich dementsprechend mit am schlechtesten ab, liegt aber dennoch weit über dem weltweiten Durchschnitt (26 Prozent).

„Auch wenn seit Jahren immer wieder betont wird, dass die Bekämpfung von Bestechung und Korruption in Deutschland an Bedeutung gewonnen hat und gewinnen wird, sind die Ergebnisse der Umfragen ausgesprochen ernüchternd. Selbst die für Compliance im Unternehmen zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zweifeln sowohl die Wirksamkeit der Maßnahmen als auch die Ernsthaftigkeit, mit der sich die Führungsebene mit diesem Thema beschäftigt, an. Vor dem Hintergrund der steigenden Komplexität globaler Lieferketten, oftmals mangelhafter Dokumentation, der Herausforderungen bei der Überwachung von Aktivitäten und Teams vor Ort und des Unsicherheitsfaktors Mensch ist das Risiko strafrechtlicher Ermittlungen kontinuierlich gestiegen. Angesichts dieser Rückmeldungen stellt sich die Frage, ob die vielfach hervorgehobenen Investitionen in den Bereich Compliance tatsächlich die gewünschte Wirkung entfalten und Unternehmen angemessen vor Risiken schützen“, sagt Dr. Christoph Rojahn, Managing Director der Forensic Investigations and Intelligence Practice von Kroll in Frankfurt am Main.

Die Ergebnisse des diesjährigen Reports zeigen zudem, dass weltweit aktive Unternehmen sich sowohl mit internen als auch mit externen Bedrohungen konfrontiert sehen. Fast die Hälfte (46 Prozent) der Befragten gab an, dass mangelnde Transparenz Dritter den größten Risikofaktor in Zusammenhang mit Bestechung und Korruption darstellt. Lückenhafte interne Dokumentation steht an zweiter Stelle (31 Prozent), gefolgt von den Aktivitäten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (23 Prozent).

„In einer komplexen Umgebung, wie wir sie heute erleben, müssen Unternehmen sowohl ihre internen Daten als auch ihre Umgebung im Blick haben. Dies gelingt nur, wenn ein Unternehmen in der Lage ist, eine Brücke zwischen internen Maßnahmen und externen Entwicklungen zu schlagen. Wenn ein Unternehmen beispielsweise einen Teil seiner Expertise bei der Prävention und Abwehr von illegalen Aktivitäten an einen seiner Zulieferer weitergeben kann, zum Beispiel durch Schulungen oder „Meeting-The-Team“-Treffen, wird dieser in Zukunft weniger anfällig für die entsprechenden Risiken und damit ein stärkeres Glied der Lieferkette. Die Unternehmenskultur ist dabei eine Schlüsselkomponente jeder erfolgreichen Strategie zur Eindämmung von Bestechungs- und Korruptionsrisiken“, sagt Marcel Etschenberg, Managing Director der Forensic Investigations and Intelligence Practice von Kroll in Frankfurt am Main.

Zur Umfragemethodik
Für den Global Fraud and Risk Report hat Kroll eine Online-Befragung unter 1.336 Führungskräften und Entscheidern im Bereich Risikomanagement durchgeführt, darunter General Counsels, Chief Compliance Officers, CFOs und CEOs. 60 Prozent der befragten Unternehmen verzeichnen einen Jahresumsatz von mehr als 250 Millionen US-Dollar, 34 Prozent einen Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde US-Dollar. Die Befragten kamen aus 17 Ländern und Regionen, siehe Kroll Global Risk Map. Die Unfrage wurde im März 2021 durchgeführt.

Über Kroll
Kroll ist ein weltweit führender Anbieter von Dienstleistungen und digitalen Produkten für die Bereiche Bewertungen, Governance, Risikomanagement und Transparenz. Wir unterstützen unsere Klienten in den Bereichen Unternehmensbewertungen, Expertenberatung, Investigations, Cyber-Security, Corporate Finance, Restrukturierung, Rechts- und Business-Fragen, Datenanalyse sowie Regulatorik und Compliance. Kroll verfügt über rund 5.000 Experten in 30 Ländern und Regionen weltweit.

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