Studie: Wirtschaftsprüfungsgesellschaften liefern faireren Wert für M&A als Investmentbanken

Untersuchungen der Bayes Business School legen nahe, dass die Expertise der Wirtschaftsprüfer der Schlüssel für eine faire Bewertung ist.

Eine neue Studie der Bayes Business School (ehemals Cass) zeigt, dass Wirtschaftsprüfungsgesellschaften ihr Fachwissen nutzen, um bei Fusionen und Übernahmen (M&A) fairere Zielbewertungen zu erstellen als Investmentbanken.

‘Accounting Firms in the European M&A Advisory Market’ von Dr. Pawel Bilinski, Reader in Finance, und Dr. Andrew Yim, Senior Lecturer in Accounting an der Bayes Business School, zeigt die Vorteile der Prüfungskenntnisse und -erfahrungen von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften bei der Ermittlung des fairen Wertes von Zielunternehmen in einer Transaktion.

Einige Höhepunkte der Studie:

  • Die Ankündigungsrenditen der Erwerber sind höher, wenn ein Geschäft von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft vermittelt wird.
  • Die Angebotsprämien sind niedriger, wenn der Bieter von Prüfungsspezialisten mit vorheriger Erfahrung in der Zielbranche beraten wird.
  • Bieter, die von Investmentbanken beraten werden, erleben negative Preisreaktionen, wenn sie versuchen, schwer zu bewertende Zielunternehmen zu erwerben.
  • Das aktuellere Wissen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften über Prüfungspraktiken führt zu höheren Renditen für die erwerbenden Aktionäre.

Da Überzahlungen bei den Zielunternehmen zu den häufigsten Gründen für das Scheitern von Fusionen und Übernahmen gehören, stützt sich die Untersuchung von Transaktionen aus 15 Ländern der Europäischen Union zwischen 1990 und 2014 auf die Theorie der „wissensbasierten Sichtweise der Ressourcenbasis“, die besagt, dass Wettbewerbsvorteile durch Wissen auf Unternehmensebene als strategische Quelle entwickelt werden können.

Unter Verwendung der Securities Data Company (SDC) Platinum M&A-Datenbank und der Compustat Global-Datenbank wurden 7.771 Transaktionen von Investmentbanken und 691Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und deren jeweilige Preise untersucht. Die Forscher haben die Qualität der Rechnungslegung anhand der Qualität der Rückstellungen gemessen – die mit der Genauigkeit der Bewertung des freien Cashflows korreliert – und dann einen Index entwickelt, um die Schwierigkeit der Bewertung des Zielunternehmens zu messen, basierend darauf, ob das Zielunternehmen privat war oder nicht, wie groß das Zielunternehmen war und ob das Zielunternehmen in den USA ansässig war oder nicht.

Nach Dr. Bilinski steuert die Forschung viele wichtige Beiträge zur wissensbasierten Sichtweise der ressourcenbasierten Theorie bei.

„Unsere Studie dokumentiert die Rolle von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften im Bereich der M&A-Beratung, was ein starkes Argument dafür ist, ihre Dienste bei der Suche nach Akquisitionszielen den traditionellen Investmentbanken vorzuziehen.

Wirtschaftsprüfungsgesellschaften verfügen über ausgezeichnete Fähigkeiten, um den wahren Wert eines Unternehmens zu ermitteln. Dies ist ein unschätzbarer Vorteil, wenn man bedenkt, wie viele Transaktionen aufgrund von Überzahlungen scheitern.

Mit der zunehmenden Präferenz für umwelt-, sozial- und führungsfreundliche (ESG) Transaktionen ergeben sich neue Dimensionen für die Wertermittlung eines Zielunternehmens. Audit-Fachwissen könnte helfen, diese zusätzliche Herausforderung zu bewältigen.“

Nach Dr. Yim liege es im eigenen Interesse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, weiterhin qualitativ hochwertige Prüfungs- und Berichterstattungsleistungen anzubieten, um bei der Erbringung von M&A-Beratungsleistungen wettbewerbsfähig zu bleiben.

„Unsere Ergebnisse helfen den politischen Entscheidungsträgern und den Regulierungsbehörden, die Vorteile zu erkennen, die sich daraus ergeben, dass die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften verschiedene Dienstleistungssparten entwickeln können“, sagte er. „Die Studie ergänzt die Liste der Vor- und Nachteile, die in der Debatte über die Trennung von Prüfungs- und Beratungsfunktionen in Wirtschaftsprüfungsgesellschaften rational bewertet werden sollten.

Andernfalls ist es schwer zu verstehen, warum Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in den europäischen Ranglisten von Thomson Reuters und Mergermarket unter den zehn besten M&A-Finanzberatern aufgeführt sind“.

‚Accounting Firms in the European M&A Advisory Market‘ von Dr. Pawel Bilinski und Dr. Andrew Yim ist im British Journal of Management erschienen